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DER ÖSTERREICHISCHE SCHAUSPIELER, REGISSEUR UND INTENDANT GERHARD KLINGENBERG IST GESTORBEN

DER ÖSTERREICHISCHE SCHAUSPIELER, REGISSEUR UND INTENDANT GERHARD KLINGENBERG IST GESTORBEN

19.06.2024 Der am 11. Mai 1929 in Wien als Gerhard Schwabenitzky geborene österreichische Schauspieler, Regisseur und Intendant Gerhard Klingenberg (Bild) ist am 18. Juni 2024 in Villach, Kärnten, gestorben. Ab 1968 wirkte Klingenberg als Regisseur am Wiener Burgtheater, wo er später von 1971 bis 1976 die Direktion innehatte. Zu Klingenbergs besonderen Verdiensten am Burgtheater gehört, dass er die damalige europäische Regie-Avantgarde nach Wien holte. So inszenierten unter seiner Leitung unter anderen Claus Peymann, Giorgio Strehler, Peter Hall, Luca Ronconi, Jean-Louis Barrault, Roberto Guicciardini und Otomar Krejča. Im Anschluss an seine Direktion in Wien ging Klingenberg an das Schauspielhaus Zürich, wo er von 1977 bis 1982 als Direktor tätig war. Danach war er, von 1986 bis 1995, Intendant des Berliner Renaissance-Theaters. Im Anschluss an seine Tätigkeit in Berlin arbeitete er als freier Regisseur. (*)


Bild: Gerhard Klingenberg, 2010 - Foto: Manfred Werner - Tsui, https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Tsui (Ausschnitt) - Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en - Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nestroy_2010_(08)_Gerhard_Klingenberg.jpg

Trauer um Gerhard Klingenberg (1929 - 2024)

"Wir im Burgtheater trauern um Gerhard Klingenberg, der immer wach im Geist, klug in der Erinnerung und vielseitig interessiert war. Für mich persönlich war es immer eine große Freude und Ehre, Gerhard Klingenberg zu treffen und mich mit ihm auszutauschen. Mein herzliches Beileid gilt seiner Familie und seinen Freundinnen und Freunden.
 Er wird uns allen sehr fehlen."

Martin Kušej

Der 1929 in Wien geborene Schauspieler, Regisseur und Theaterintendant Gerhard Klingenberg leitete das Burgtheater von 1971 bis 1976. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er eine Schauspielausbildung am Konservatorium der Stadt Wien. Ab 1947 war er am Burgtheater als Schauspieler engagiert. Im Mai 1947 übernahm Klingenberg im Alter von 18 Jahren aufgrund einer Krankheit von Albin Skoda die Rolle des Camille in "Dantons Tod". Ewald Balser, der die Hauptrolle spielte, sagte über ihn: "Es war die größte Talentprobe, die ich je erlebt habe!"

1948 gab Klingenberg sein Regiedebüt am Stadttheater Klagenfurt mit Curt Goetz‘ Stück "Das Haus in Montevideo". Es folgten viele weitere Stationen, unter anderem als Oberspielleiter am Landestheater St.Pölten und am Landestheater Innsbruck. Er arbeitete als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen Theatern, u.a. am Deutschen Theater in Ostberlin, an den Städtischen Bühnen Köln, am Schauspielhaus Hamburg, an den Münchner Kammerspielen, am Schauspielhaus Zürich, am Berliner Schillertheater und am Schauspielhaus in Düsseldorf.

1956 wurde er von Bertolt Brecht als Schauspieler und nach Brechts Tod von Helene Weigel als Regisseur ans renommierte Berliner Ensemble engagiert. Er sammelte erste Erfahrungen als Fernsehregisseur beim Ostberliner Fernsehen. 1961 kehrte er in die Bundesrepublik zurück und arbeitete von da an auch für das deutsche Fernsehen, und ab 1968 auch für das österreichische Fernsehen.

1964 erhielt er für den Film "In der Sache J. Robert Oppenheimer" den Fernsehpreis der Deutschen Akademie für Darstellende Kunst, den Internationalen Kritikerpreis beim Fernsehfestival in Prag sowie den DAG-Fernsehpreis.

1968 wurde Gerhard Klingenberg von Paul Hoffmann als ständiger Regisseur an das Wiener Burgtheater engagiert.

Am 1. September 1971 übernahm Gerhard Klingenberg als Nachfolger von Paul Hoffmann die Direktion des Burgtheaters und internationalisierte das Burgtheater zu einer Zeit, als der Schwerpunkt des Spielplans auf deutschsprachigen Autor*innen und Regisseur*innen lag.

Er holte die europäische Regie-Avantgarde nach Wien. Es inszenierten unter anderem Giorgio Strehler, Jean-Louis Barrault, Erwin Axer, Roberto Guicciardini, Peter Wood, Luca Ronconi, Otomar Krejča und Peter Hall. Er veränderte den Spielplan und platzierte neben den "Klassikern" Stücke von Bernhard, Horváth, Pinter oder Stoppard. Mit dieser Internationalisierung machte er sich aber nicht nur Freunde, es gab zahlreiche Konflikte, und seine Direktionszeit endete 1976.

Von 1977 bis 1982 war Klingenberg Direktor des Schauspielhauses in Zürich, danach arbeitete er am Thalia Theater in Hamburg und von 1986 bis 1995 als Intendant am Berliner Renaissance-Theater. Seine Inszenierungen wurden auch in London, Tel Aviv, Stockholm und in den Beneluxländern gezeigt. Zudem arbeitete er in Genf und Madrid als Opernregisseur.

Gerhard Klingenberg war bis ins hohe Alter mit wachem Geist ein aufmerksamer Beobachter der Vorgänge im Burgtheater. Er suchte mit all seinen Nachfolger*innen den Austausch und hielt bis zuletzt den Kontakt mit dem Haus.

Auszeichnungen (Auswahl):

1964: Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste für "In der Sache J. Robert Oppenheimer"
1999: Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
2002: Jakob Prandtauer-Preis für Wissenschaft und Kunst
2009: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich Internationaler Kritikerpreis
Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft I. Klasse der Republik Österreich

https://www.burgtheater.at/trauer-um-gerhard-klingenberg

Würdigungen aus der Politik

"Klingenberg war als Direktor ein Wegbereiter des modernen Burgtheaters. Weder die Ära Achim Benning noch die Ära Claus Peymann wäre ohne die wegweisende Arbeit dieses großen Wiener Theatermachers möglich gewesen", würdigte der Wienr Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) den Verstorbenen.

Die Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) hob Klingenbergs außergewöhnliches Wirken in der Theaterwelt hervor. "Die zahlreichen bedeutenden Impulse, die er gesetzt hat, haben nicht nur das Bühnengeschehen nachhaltig geprägt, sondern auch das Theatererlebnis für Generationen von Zuschauern bereichert. Mit seinen Visionen und Innovationen hat Klingenberg das Burgtheater zu einer führenden Institution gemacht und so die Theaterkunst maßgeblich weiterentwickelt."

red, wien.ORF.at/Agenturen

https://wien.orf.at/stories/3261807/

Der ehemalige Burgtheater-Direktor war ein famoser Handwerker und behutsamer Erneuerer

Gerhard Klingenberg war in Sachen Burgtheater ein Frühberufener. Im Mai 1947 übernahm er, gerade einmal 18 Jahren alt, aufgrund einer Krankheit von Albin Skoda die Rolle des Camille in "Dantons Tod". Ewald Balser, der die Hauptrolle spielte, sagte nachher über ihn: "Es war die größte Talentprobe, die ich je erlebt habe!"

Ronald Pohl

https://www.derstandard.at/story/3000000225010/ehemaliger-burgtheater-direktor-klingenberg-95-jaehrig-gestorben

"Der Burgtheaterdirektor ist wie Jesus Christus: Das ist ein armer Teufel und ein Gott", sagte Klingenberg einmal über seine Direktionszeit

In seiner Burgtheater-Zeit holte Klingenberg europäische Regiegrößen wie Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler, Peter Hall oder Luca Ronconi nach Wien und platzierte Stücke von Horvath, Bernhard, Pinter und Stoppard zwischen den "Bildungs-Klassikern". Er selbst - ein Verfechter des Theaters als moralischer Anstalt - setzte sich als Regisseur vor allem mit Shakespeare, Brecht, Marlowe, Ionesco, Schiller, Hebbel, Grillparzer, Kipphardt und Williams auseinander. Weiters versuchte er, mit der Aktion "Die Junge Burg" dem Publikum moderne Literatur und neue Darstellungs- und Inszenierungsstile vor allem am Akademietheater näher zubringen.

Georg Leyrer

https://kurier.at/kultur/todesfall-burgtheater-direktor-gerhard-klingenberg-95-jaehrig/402915092

Schon er hat die Burg geöffnet

Der Burgtheaterdirektor aus dem Arbeiterbezirk, Sohn eines engagierten Sozialdemokraten und einer streng katholischen Mutter war 42, als er die Geschicke von Wiens erstem Theater übernahm. Und er war jener Mann, während dessen Amtszeit das Haus sich wirklich geöffnet hat. Mochte nach dem kalmierenden Achim Benning unter Claus Peymann über eine Revolution geredet werden, Gerhard Klingenberg war in der Rückschau der radikalere Intendant. Was später "Fortschritt" hieß, hat, um es mit Nestroy zu sagen, weit größer ausgeschaut, als es tatsächlich war.

Wilhelm Sinkovicz

https://www.diepresse.com/18583660/schon-er-hat-die-burg-geoeffnet-direktor-gerhard-klingenberg-ist-tot

Der Österreicher Gerhard Klingenberg lernte Theater von der Pike auf. Als Schauspieler wurde er von Brecht engagiert. Als Regisseur und Direktor arbeitete er mit Harald Juhnke zusammen

dpa

https://www.sueddeutsche.de/kultur/todesfaelle-theaterdirektor-klingenberg-95-jaehrig-gestorben-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-240619-99-454610

Videos:

PLAY SRF: Regisseur und Bühnenbildner - ein Werkstattgespräch
Interview mit Regisseur Gerhard Klingenberg und Bühnenbildner Rudolf Heinrich anlässlich Aufführung Theaterstück "Der Richter von Zalamea" von Pedro Calderón de la Barca am Schauspielhaus - 14.02.1967

https://www.srf.ch/play/tv/antenne/video/regisseur-und-buehnenbildner-ein-werkstattgespraech?urn=urn:srf:video:6ab11ba7-d967-45e2-977e-3b25d0d2ccb6

Play SRF: Jagdszenen aus Österreich
Österreich, Wien: Porträt Gerhard Klingenberg, designierter D Schauspielhaus Zürich
14.02.1974, 12 min

https://www.srf.ch/play/tv/perspektiven/video/jagdszenen-aus-oesterreich?urn=urn:srf:video:62507068-1898-4821-a034-51c992eb47a0

ORF ZIB: Ex-Burgtheater-Direktor Klingenberg ist tot
19.06.2024, 1:16 min

https://on.orf.at/video/14231102/15662394/ex-burgtheater-direktor-klingenberg-ist-tot

Mehr:

https://tls.theaterwissenschaft.ch/wiki/Gerhard_Klingenberg

https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=116228997

https://www.imdb.com/name/nm0459746/

https://www.defa-stiftung.de/defa/biografien/kuenstlerin/gerhard-klingenberg/

(*) https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Klingenberg

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