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Jazz auch aus Schweizer Tonarchiven

Jazz auch aus Schweizer Tonarchiven

07.04.2009 Das in Montreux ansässige Jazz-Label TCB veröffentlicht seit Jahren historische "Live"-Mitschnitte auch aus Schweizer Radioarchiven. „Der Bund“-Jazzspezialist Georg Modestin schreibt dazu in einem lesenswerten Artikel (vgl. Link am Schluss) aus aktuellem Anlass: „Die CDs Nummern 15 bis 20 ergänzen die Geschichte des in unserem Land gespielten Jazz um weitere Kapitel".


 

Peter Schmidlin

Foto: tcb

TCB (Taking care of Business) hat zwei Bedeutungen: Die eine betrifft die persönliche musikalische Einstellung des Firmenchefs, die andere....nun, klar, das Unvermeidbare: The business. Dass diese Komponenten von einem Mann in Personalunion auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können, ist eine beachtliche Leistung - und diese Leistung erbringt Peter Schmidlin bereits seit einigen Jahren mit Erfolg.

Basel ist eine Stadt mit grosser Trommeltradition. So ist es nicht weiter überraschend, dass sich Peter Schmidlin, Basler von Geburt und aus Ueberzeugung, entschloss, Schlagzeuger zu werden. Was er bis auf den heutigen Tag geblieben ist, mehr noch, man kennt ihn als einen der besten Drummer in Europa.

Doch diese Tatsache muss nicht unbedingt darauf schliessen lassen, dass diesen Mann die Musikproduktion immer intensiver beschäftigen sollte; Schlagzeuger sind in der Regel ausschliesslich auf ihr Instrument fixiert und finden wenig Gefallen an anderen Beschäftigungen, es sei denn ausserhalb ihres Wirkungskreises.

Nun ist die angesprochene Musikproduktion durchaus innerhalb des musikalischen Wirkungsskreises angesiedelt, aber Produzent kann man mit dem besten Willen nicht einfach sein, man muss in diese Position hineinwachsen. Dabei kann eine gewisse musikalische Vorbelastung gar nichts schaden, im Gegenteil, sie ist unabdingbar.
Was als logische Erklärung dienen soll, warum sich P.S. bereits 1988 entschloss, ein Plattenlabel zu gründen, um LPs zu produzieren, die sich ausschliesslich dem Jazz widmen sollten.

Die ersten Produktionen basierten auf einer Radio-Reihe, die daraus bestand, eine festgelegte Rhythmusgruppe, der Schmidlin als Drummer zwischen 1969 - 1983 angehörte, mit profilierten, meist amerikanischen Jazzsolisten öffentlich auftreten zu lassen und diese Konzerte mitzuschneiden. Diese Radiomitschnitte bildeten auch die Grundlage zu den allerersten TCB-Produktionen und wurden als LPs angeboten. Unter den Solisten befanden sich Koryphäen wie Dexter Gordon, Woody Shaw, Benny Bailey, Slide Hampton, Art Farmer, Clark Terry, Johnny Griffin und viele andere. Im Verlauf des angebrochenen CD-Zeitalters folgten nach und nach Aufnahmen auf CD mit praktisch allen verfügbaren Schweizer Jazzern, die wirklich etwas zu sagen haben.

Es stellte sich für Schmidlin die Frage, ob er diese Aktivitäten einstellen, in seiner Freizeit oder sogar hauptamtlich weiterführen sollte. Mitte 1992 entschied sich der Musikenthusiast definitv für seine bis dahin als Hobby betriebene Berufung: TCB wurde zur professionellen Musikproduktion umgestaltet und neu lanciert. Zusammen mit einigen anderen Enthusiasten mietete man in Lausanne die notwendigen Lokalitäten und startete neue, konzertierte Aktivitäten. TCB fand sowohl in Europa, in den USA, in Kanada, in Südafrika als auch in Japan zuverlässige Vertriebspartner, die den Stellenwert der TCB-Produkte erkannten und sich dementsprechend dafür einsetzen.

Um den Konsumenten ihre spezifischen Produktlinien stilistisch unterscheidbar darzustellen, verfielen die TCB-Leute auf die Idee, die CD-Seitenlaschen durch verschiedene Farben zu kennzeichnen. Rot = "Bebop and beyond", grün = Aufnahmen des Schweizer Radios mit den profiliertesten Jazzgruppen bzw. Big Bands wie z.B. Quincy Jones, Thad Jones/Mel Lewis Orch., den Gruppen von Cannonball Adderley, Woody Shaw und den Jazz Messengers von Art Blakey sowie Buck Clayton und Gerry Mulligan und vielen anderen. Blau = ist ausschliesslich dem musikalischen Legat der Swing-Aera wie z.B. Benny Goodman gewidmet, gelb = "Contemporary Jazz" mit dem deutschen Keyboard-Spezialisten Christoph Spendel, dem Trompeter Jack Walrath, dem Posaunisten Ed Neumeister und ihren respektiven Gruppen, und schliesslich schwarz = Interpreten des "World Jazz", z.B. aus Afrika oder Brasilien.

Die ,,rote" Linie weist bereits über 40 CD-Produktionen aus dem Hause TCB auf. Darunter finden sich profilierte Leute wie George Gruntz, Phil Woods, Toots Thielemans, Barry Harris, Mark Soskin, Jerome Richardson, Clark Terry, Ritchie Vitale, die Monday Night Big Band aus Malmö, Buster Williams, Richard Galliano, das New York Hardbop Quintett und die Sängerin Alice Day.

Es ist wirklich kein Zuckerlecken, in dieser Zeit der globalen Konkurrenz auf dem CD-Markt erfolgreich zu bestehen, zumal die etablierten Jazzlabels in letzter Zeit äusserst aggressiv vorgehen. Das alles hindert Peter Schmidlin jedoch nicht daran, optimistisch in die Zukunft zu blicken, und angesichts des wachsenden Erfolgs des TCB-Labels kann er dies mit Fug und Recht tun. Er weiss aus Erfahrung, dass Jazz ein, weltweit betrachtet, Millionenpublikum anzuziehen imstande ist, auch wenn Europa nur den kleineren Teil dazu beiträgt. Doch auch der alte Kontinent scheint sich mehr und mehr für diese Musik zu interessieren, was dem Potential des kleinen Schweizer Labels zweifelsohne zugute kommen wird. Das haben die Interpreten aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit Peter Schmidlin bemerkt, und sie sind bereit, ihre musikalische Zukunft, wenigstens was die CD-Produktionen betrifft, mit ihm und seinem mehr und mehr Fuss fassenden Jazzlabel TCB zu teilen.

Leute mit Visionen und dem Willen, diese in die Tat umszusetzen, sind heute rar und werden überall gesucht, deshalb kann man dem kleinen aber wirklich feinen Unternehmen sowie dessen Spiritus rector ohne zu übertreiben eine solide und erfolgreiche Zukunft voraussagen.

tcb


Mehr -> Artikel von Georg Modestin in „Der Bund“ vom 7. April 2009-04-07 -> http://www.derbund.ch

Kontakt:

http://www.tcb.ch

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