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27. April 2024

«ZWÖLFTAUSEND DINGE – ANFÄNGE DER SAMMLUNG EUROPA»

Ausstellung im Museum der Kulturen Basel, bis am 27. April 2025

Bild oben: Muschel als Amulettanhänger aus Serbien von ca. 1900, dem Händlerehepaar Anna und Julius August Konietzko 1919 abgekauft – Foto: © Museum der Kulturen Basel (MKB), 2024

Seite aus dem originalen Einlaufbuch, in dem alle zwölftausend Dinge fein säuberlich notiert sind, in der Reihenfolge, wie sie ins Museum gekommen sind - Foto: © Museum der Kulturen Basel (MKB), 2024

Bild: Seite aus dem originalen Einlaufbuch, in dem alle zwölftausend Dinge fein säuberlich notiert sind, in der Reihenfolge, wie sie ins Museum gekommen sind – Foto: © Museum der Kulturen Basel (MKB), 2024

Blick in die Ausstellung, auf Dinge u.a. aus dem Jura und dem Wallis - Foto: © Museum der Kulturen Basel (MKB), 2024

Bild: Blick in die Ausstellung, auf Dinge u.a. aus dem Jura und dem Wallis – Foto: © Museum der Kulturen Basel (MKB), 2024

Provenienzforschung zu europäischen Dingen resultiert im Museum der Kulturen Basel in einer Ausstellung voller spannender, skurriler, tragischer und berührender Geschichten von Dingen und Menschen.

12’000 Dinge aus Europa wurden im Museum der Kulturen Basel (MKB) zwischen 1900 und 1936 gesammelt. Fein säuberlich festgehalten in einem sogenannten Einlaufbuch. In einer Kopie davon können die BesucherInnen zu Beginn der Ausstellung «Zwölftausend Dinge» blättern und sich als ForscherInnen betätigen. Sie entdecken, was gekauft, getauscht oder geschenkt worden war. Woher die Dinge kamen, zu welchem Preis und von wem.

Einigen Personen begegnen die BesucherInnen in der Ausstellung danach wieder. Zum Beispiel dem Museumsabwart Johannes Stuber, dem nahegelegt worden war, in seinen Ferien im Jura nach volkskundlichen Dingen zu suchen und solche mitzubringen. Oder Jakobina Thenisch aus dem Walliser Binntal, die sich mit der Basler Lehrerin und Sammlerin Annemarie Weis anfreundete und ihr Alltagsgegenstände inklusive Informationen zum Gebrauch zuhielt. Sowie Engelbert Wittich, eine exklusive Quelle für Dinge von Jenischen und Sinti aus Deutschland.

Der Museumsabwart Johannes Stuber wusste, dass die Museumsleute gerne vergleichbare Dinge erwarben, deshalb verkaufte er diese acht Schuhlöffel aus Anwil, Baselland - Foto: © Museum der Kulturen Basel (MKB), 2024

Bild: Der Museumsabwart Johannes Stuber wusste, dass die Museumsleute gerne vergleichbare Dinge erwarben, deshalb verkaufte er diese acht Schuhlöffel aus Anwil, Baselland – Foto: © Museum der Kulturen Basel (MKB), 2024

Eduard Hoffmann-Krayer, der damalige Vorsteher der Abteilung Europa, hat ebenfalls einen Auftritt, in Form eines mehrteiligen Herrenanzugs. Dieser kam 1924 ins MKB. 100 Jahre später fand Europa-Kuratorin Tabea Buri bei den Recherchen zu ihrer Dissertation – auf der übrigens die Idee zur Ausstellung beruht – heraus, dass er Hoffmann-Krayer gehörte, was dieser verschwiegen hatte.

Was damals Mode war, punkto Sammeln, zeigt auch eine Reihe von Ankern. Ethnologen hielten sie damals für ideale Vergleichsobjekte, um verschiedene Entwicklungsstufen von Kulturen aufzuzeigen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde zudem nach dem Ursprünglichen gesucht. Das MKB erwarb deshalb Teile von Tschäggättä, Fasnachtsgestalten aus dem Lötschental. So ganz unberührt und weltfremd aber war das Walliser Tal nicht: An einer Maske hängt ein Mehlsack aus den USA.

66 andere Dinge aus dem Wallis tauschte das MKB in jener Zeit gegen 28 Dinge aus der Arktis mit dem Völkerkundemuseum Hamburg (heute MARKK). Auch dafür wurde also gesammelt. Für Tauschgeschäfte legte das Museum sogar extra eine Sammlung Doubletten an. Darunter Medizinbehälter aus Kamerun, die gegen Kopfschmuck aus Europa aus dem Völkerkundemuseum Zürich eingetauscht wurden.

Der Erste Weltkrieg

Die rund 370 Dinge dazu in der Ausstellung vermitteln ein Bild vom Alltag in Europa in jenen Jahren, aber auch vom religiösen Leben. Rund 130 Amulette zeigen, wovor die Menschen sich fürchteten, was sie sich zur Abwehr des Bösen, zum Schutz ihrer Gesundheit oder als Glücksbringer umhängten. Der Erste Weltkrieg war prägend für jene Zeit und fürs MKB. Knappe Finanzen und geschlossene Grenzen erschwerten die Sammeltätigkeit. Doch Menschen brauchten Geld und verkauften eher Dinge. Interessant auch, dass Sammler in Kriegsgebiete geschickt wurden, zum Beispiel das Ehepaar Julius und Anna Konietzko auf den Balkan. Sie brachten viele Dinge von dort mit. Und dank von Soldaten angefertigten Sachen eröffneten sich gar neue Sammelbereiche.

Ein paar der Dinge erhalten übrigens ganz spezielle Aufmerksamkeit: Sie wurden zu Comics verarbeitet, erzählen in Monologen von sich selbst oder finden sich in Geschichten wieder, die extra für Kinder aufbereitet wurden. Und die BesucherInnen können sogar mit fünf Dingen chatten.

Die Dissertation «Wie die Dinge zusammenkamen» von Tabea Buri ist im Museumsshop erhältlich.

cp

Kontakt:

https://www.mkb.ch/de.html

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Der ehemalige Leiter der Abteilung Europa, Eduard Hoffmann-Krayer, schenkte dem Museum diesen Anzug von 1924. Hundert Jahre später fand die Leiterin der Abteilung Europa heraus, dass er ihm selber gehört hatte - Foto: © Museum der Kulturen Basel (MKB), 2024

Bild: Der ehemalige Leiter der Abteilung Europa, Eduard Hoffmann-Krayer, schenkte dem Museum diesen Anzug von 1924. Hundert Jahre später fand die Leiterin der Abteilung Europa heraus, dass er ihm selber gehört hatte – Foto: © Museum der Kulturen Basel (MKB), 2024

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 27. April 2024
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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