BÜRO DLB - IDEE-REALISATION-KOMMUNIKATION
Daniel Leutenegger, Rathausgasse 18, CH-3011 Bern, www.ch-cultura.ch

BÜRO DLB - IDEE-REALISATION-KOMMUNIKATION
Daniel Leutenegger
Rathausgasse 18
CH-3011 Bern
E-Mail
www.ch-cultura.ch.ch

"WHEN WE SEE US. HUNDERT JAHRE PANAFRIKANISCHE FIGURATIVE MALEREI
"

"WHEN WE SEE US. HUNDERT JAHRE PANAFRIKANISCHE FIGURATIVE MALEREI
"

09.06.2024 Ausstellung im Kunstmuseum Basel | Gegenwart, bis am 27. Oktober 2024


Bild: "Constant III" von Sungi Mlengeya, 2019, Acrylfarbe auf Leinwand, 140 x 140 cm, Objekt-ID: 73830 - Creditline: Courtesy of the Ditau Collection

Kin oyé ou Couloir Madiokoko à Matonge von Moké, 1983, Oil on canvas, 67 x 87 cm, Objekt-ID: 76883 - Creditline: André Magnin Collection, Courtesy of MAGNIN-A Gallery, Paris

Bild: Kin oyé ou Couloir Madiokoko à Matonge von Moké, 1983, Oil on canvas, 67 x 87 cm, Objekt-ID: 76883 - Creditline: André Magnin Collection, Courtesy of MAGNIN-A Gallery, Paris

Das Kunstmuseum Basel präsentiert mit "When We See Us" ein Kaleidoskop der Schwarzen figurativen Malerei der letzten hundert Jahre. Die Ausstellung im Haus Gegenwart ist eine Übernahme aus dem Zeitz Museum of Contemporary Art Africa in Kapstadt und vereint über 150 Gemälde von rund 120 Künstler:innen, von denen die meisten noch nie in der Schweiz zu sehen waren. Ihr Fokus liegt auf der Kraft und politischen Dimension von "Black Joy".

Der Titel der Ausstellung ist inspiriert von der Netflix-Miniserie "When They See Us" (2019). Die US-amerikanische Regisseurin Ava DuVernay thematisiert darin, wie unschuldige Schwarze Jugendliche von der weissen Gesellschaft pauschal als potenzielle Verbrecher:innen und damit als Bedrohung gesehen werden. Der Wechsel von "They" zu "We" steht für eine Umkehr der Perspektive und bietet so Raum für die eigene Wahrnehmung. Die Sichtweisen der Künstler:innen rücken ins Zentrum und legen offen, wie das Leben von Schwarzen von anderen immer wieder in einer Weise dargestellt wurde, die verzerrt und falsch ist.

"When We See Us" ist das Resultat einer intensiven Recherche des Teams um Koyo Kouoh, Direktorin und leitende Kuratorin des Zeitz MOCAA in Kapstadt. Das weltweit grösste Museum für afrikanische Gegenwartskunst zeigte die umfassende Schau von November 2022 bis September 2023. Sie steht für ein neues Selbstverständnis und für die Selbstermächtigung Schwarzer Künstler:innen, die nach Jahrhunderten eines weiss dominierten Kunstkanons die eigene Kunstgeschichte schreiben.

Im Kunstmuseum Basel schliesst sie an eine Reihe von monografischen Ausstellungen von afroamerikanischen Künstler:innen an, namentlich Theaster Gates, Sam Gilliam, Kara Walker und zuletzt Carrie Mae Weems. Diese Ausstellungen und viele andere thematisierten "Blackness" weltweit vor allem mit Blick auf Traumata und Aspekte des Kolonialismus. "When We See Us" fokussiert dagegen laut den Kuratorinnen Koyo Kouoh und Tandazani Dhlakama auf das Alltägliche sowie die "Kraft der Freude" und durchbricht so die Stereotypen von Rassismus, Gewalt oder Krisen. Die Ausstellung soll den Menschen eine neue Blickweise bieten, die feierlich, kraftvoll und würdevoll ist: "Wir müssen viel mehr über uns selbst sprechen – auf eine Art und Weise, die unseren Geist beflügelt", sagen sie.

Sechs Kapitel des alltäglichen Lebens

Die über 150 Kunstwerke werden in sechs Kapitel eingeteilt. Sie tragen die Titel Triumph und Emanzipation, Sinnlichkeit, Spiritualität, Alltag, Freude und Ausgelassenheit und Ruhe. Die Räume sind weder chronologisch noch nach Herkunftsland oder Arbeitsort der Künstler:innen eingerichtet.

Die Gliederung in diese universellen Bereiche zeigt zum ersten Mal auch, dass Künstler:innen an unterschiedlichen Orten Afrikas und in der afrikanischen Diaspora zu denselben Themen gearbeitet haben. Die ikonografischen Parallelen, die sich so entwickelten, werden zum Beispiel in den Werken von Romare Bearden (1911–1988), einem afroamerikanischen Künstler, und George Pemba (Südafrika, 1912–2001) sichtbar, oder beim Kongolesen Chéri Samba (*1956) und dem US-Amerikaner Barkley L. Hendricks (1945–2017).

"When We See Us" bespielt das gesamte Kunstmuseum Basel | Gegenwart. Wie im Zeitz MOCAA verantwortet Ilze Wolff, Partnerin des Büros Wolff Architects in Kapstadt, die Szenografie. Der Musiker Neo Muyanga kuratiert die Soundstationen. Eine Zeitachse kontextualisiert die Entstehung der ausgestellten Werke und ein für das Kunstmuseum Basel adaptierter Audioguide liefert Hintergrundgeschichten zu den Werken.

Das ausstellungsbegleitende Programm bringt durch Musik, Literatur, Workshops, Führungen, Panels und akademische Veranstaltungen verschiedene Schwarze Stimmen zur Geltung. Ein speziell entworfener Programmraum im Erdgeschoss fungiert als öffentliche Lounge für das Publikum und als Versammlungs- und Veranstaltungsort für Workshops, Seminare, Konzerte u.ä.

Kapitel und Künstler:innen

Triumph und Emanzipation

Im Kern dieses Kapitels steht der Stolz auf die eigene Geschichte und auf das Erreichte - trotz widrigster Umstände und jahrhundertelanger Unterdrückung. Die Besucher:innen begegnen im Erdgeschoss des Museums weltbekannten Ikonen wie in Chéri Chérins Gemälde Obama Revolution (2009) auf Augenhöhe mit namenlosen, aber starken Figuren wie in Ibrahim El-Salahis Portrait of a Sudanese Gentleman (1951). Dargestellt sind Personen, die sich um die Kulturgüter der Vorfahren kümmern, oder engagierte Politiker:innen und Menschen, die Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung repräsentieren.

Künstler:innen: Benny Andrews, Margaret Taylor Burroughs, Chéri Chérin, Kudzanai Chiurai, Aboubacar Diané, Ibrahim El-Salahi, Ben Enwonwu, Gherdai Hassell, Wifredo Lam, Akinola Lasekan, Mustafa Maluka, Eria Nsubuga ‘Sane’, Augustin Okoye, George Pemba, Chéri Samba, Mmapula Mmakgabo Helen Sebidi, Gerard Sekoto, Amy Sherald, Katlego Tlabela, Cyprien Tokoudagba

Sinnlichkeit

In Sinnlichkeit werden Schwarze Körper auf eine intime und selbstbewusste Weise gezeigt, wie sie der westliche Bilderkanon kaum je zugelassen hat. Roméo Mivekannins Le modèle noir, d’après Félix Vallotton (2019) nimmt direkt Bezug auf diesen Kanon, ebenso wie Sahara Longes Reclining Nude with Lemon (2021). Das Kapitel zeigt die vielseitigen Spektren von Sinnlichkeit, Liebe und intimer Zuneigung. Gemeinsam ist allen Werken das Selbstbestimmte der Akteur:innen.

Künstler:innen: Nina Chanel Abney, Olusegun Adejumo, Tunji Adeniyi-Jones, Maxwell Alexandre, Tiffany Alfonseca, Dominic Chambers, Somaya Critchlow, Njideka Akunyili Crosby, Elladj Lincy Deloumeaux, Aboubacar Diané, Ibrahima Kébé, Yoyo Lander, Sahara Longe, Danielle McKinney, Roméo Mivekannin, Moké, Geoffrey Mukasa, Chris Ofili, Kambui Olujimi, Tschabalala Self, Monsengo Shula, Mickalene Thomas, Bob Thompson, Kehinde Wiley

Spiritualität

Ein Schwarzer Alltag ohne Spiritualität ist gemäss den Kuratorinnen kaum denkbar. Das Kapitel steht für das "dreifache Erbe", das der kenianisch-amerikanische Schriftsteller Ali Mazrui (1933–2014) in seinem Buch The Africans: A Triple Heritage beschrieben hat: "Black Life" in seiner Durchlässigkeit für einheimische, islamische sowie christliche Traditionen und Rituale. Die hier präsentierten Werke zeigen gelebte Spiritualität, darunter Jacob Lawrences Genesis Creation (1989) und Michael Armitages The Dumb Oracle (2019).

Künstler:innen: Michael Armitage, Gerard Bhengu, Wilson Bigaud, Edouard Duval-Carrié, Aaron Douglas, Scherezade García, Jacob Lawrence, Cassi Namoda, Malangatana Ngwenya, Kambui Olujimi, Emma Pap’, Naudline Pierre, Prosper Pierre-Louis, María Magdalena Campos Pons, Cinga Samson, Gerard Sekoto, Devan Shimoyama, Alex Shyngle, Sthembiso Sibisi, Olivier Souffrant, Pamela Phatsimo Sunstrum, Nirit Takele

Alltag

Gemälde wie Aaron Douglas’ Boy with a Toy Plane (1938), William H. Johnsons The Reader (1939), Joy Labinjos Gisting in the Kitchen (2018) oder Johnny Arts’ Werbeplakat für Ozor International Barber also Specialist in Hair Dying and Shamporing (1962) zeigen die Schönheit des alltäglichen Lebens. Das Kapitel präsentiert öffentliche und private Szenen mit Momenten der Freude oder der Kontemplation: in der Familie, in der Gemeinschaft, beim Spiel, in der Schule, beim Wassertragen oder Haareflechten.

Künstler:innen: Johnny Arts, Malang Badji, Romare Bearden, Aaron Douglas, Gervais Emmanuel Ducasse, Ben Enwonwu, Ablade Glover, Gavin Janties, William H. Johnson, Kangudia, Ibrahima Kébé, Joy Labinjo, Petson Lombe, Marvelous Mangena, Luis Meque, Moké, Meleko Mokgosi, Richard Mudariki, Theresa Mungure, Lavar Munroe, Chemu Ng’ok, Nicholous Njau, Boris Nzebo, Antoine Obin, Télémaque Obin, Bruce Onobrakpeya, George Pemba, Horace Pippin, Kingsley Sambo, Gerard Sekoto, Ancent Soi, Moustapha Souley, Edward Saidi Tingatinga, Zandile Tshabalala, Sane Wadu, Richard Witikani

Freude und Ausgelassenheit

Den Momenten des Feierns und der Freizeitvergnügen widmet sich das Kapitel Freude und Ausgelassenheit: Für ein Lied oder einen Tanz bleibt immer Zeit, so die Kuratorinnen. In Esiri Erheriene-Essis The Birthday Party (2021) wird für Steve Biko gesungen, in Philomé Obins Un mardi de Carnaval (1960) im Umzug mitgefeiert oder in Romare Beardens Jazz Rhapsody (1982) den Rhythmen gelauscht.

Künstler:innen: Romare Bearden, Esiri Erheriene-Essi, Barkley L. Hendricks, Clementine Hunter, Jacob Lawrence, Arjan Martins, Moké, Cinthia Sifa Mulanga, Eric Ndlovu, Nicholous Njau, Nestor Vuza Ntoko, Philomé Obin, George Pemba, Chéri Samba, Matundu Tanda, Katlego Tlabela, Charles White

Ruhe

Momente der Ruhe sind der Ausgelassenheit ebenbürtig. Der dritte Stock des Hauses Gegenwart lässt Platz dafür. Hier wird sich auf dem Sofa geräkelt wie in Sundials and Sonnets (2019) von Wangari Mathenge, übers Land spaziert wie in Toyin Ojih Odutolas Surveying the Family Seat (2017) oder einfach nur sitzend die Ruhe genossen wie in Kudzanai-Violecherit Hwamis An evening in Mazowe (2019) – entspannte Menschen überall, allein oder in trautem Gespräch.

Künstler:innen: Cornelius Annor, Gideon Appah, Firelei Báez, Amoako Boafo, Beauford Delaney, Kudzanai-Violet Hwami, Wangari Mathenge, Neo Matloga, Sungi Mlengeya, Ian Mwesiga, Thenjiwe Niki Nkosi, Toyin Ojih Odutola, Eniwaye Oluwaseyi, Marc Padeu, Zéh Palito, Otis Kwame Kye Quaicoe, Henry Taylor, Zandile Tshabalala, Kehinde Wiley, Lynette Yiadom-Boakye

Das Kunstmuseum Basel dankt Kadiatou Diallo, Sindi-Leigh McBride und Lorena Rizzo vom Zentrum für Afrikastudien der Universität Basel für ihren kritischen Blick auf die Adaption der Ausstellung im Kunstmuseum Basel.

Kuratorinnen: Koyo Kouoh und Tandazani Dhlakama (Zeitz MOCAA, Kapstadt)
Adaptiert für das Kunstmuseum Basel in Zusammenarbeit mit:
Anita Haldemann, Maja Wismer, Daniel Kurjaković

kmb

Kontakt:

https://kunstmuseumbasel.ch/de/ausstellungen/2024/when-we-see-us

#WhenWeSeeUs #100JahrePanafrikanischeFigurativeMalerei #KunstmuseumBasel #ZeitzMOCAA #KoyoKouoh #TandazaniDhlakama #KhadiatouDiallo #SindiLeighMcBride #LorenaRizzo #AnitaHaldemann #MajaWismer #DanielKurjaković #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Sundials and Sonnets von Wangari Mathenge, 2019, Oil on canvas, 137.2 x 172.7 cm, Objekt-ID: 77016 - Creditline: Pascale M. Thomas and Tayo E. Famakinwa

Bild: Sundials and Sonnets von Wangari Mathenge, 2019, Oil on canvas, 137.2 x 172.7 cm, Objekt-ID: 77016 - Creditline: Pascale M. Thomas and Tayo E. Famakinwa

 

Zurück zur Übersicht