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Daniel Leutenegger, Bulliard 95, CH-1792 Cordast, Tel +41 (0)26 684 16 45 (nachmittags), www.ch-cultura.ch

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"WEGE DER KUNST - WIE DIE OBJEKTE INS MUSEUM KOMMEN"

"WEGE DER KUNST - WIE DIE OBJEKTE INS MUSEUM KOMMEN"

03.08.2022 Ausstellung im Museum Rietberg Zürich, bis am 25. Juni 2023


Bild: Kopf eines Buddhas. China, Provinz Hebei, aus der südlichen Nische der Südhöhle des Höhlentempels vom Nördlichen Xiangtangshan, Nördliche Qi-Dynastie, 560–570, Kalkstein, Museum Rietberg, RCH 136, Geschenk Eduard von der Heydt.

Provenienz: […]; ca. 1909–1910er Jahre, Paul Mallon, Paris, erworben in Beijing; 1910er Jahre, Victor Goloubew, Paris; ab ca. 1920, Eduard von der Heydt

Die Ausstellung gibt zum ersten Mal umfassend Einblick in die Sammlungsgeschichte des Museums und lädt dazu ein, anhand von Objektbiografien das heisst den Geschichten der Objekte und der Menschen, die an deren Reise ins Museum beteiligt waren die Wege der Kunst zu erfahren. Dabei stellt das Museum Rietberg die Provenienzen der Werke in den Vordergrund und schlägt den Bogen zu laufenden Forschungs- und Kooperationsprojekten.

Die Ausstellung soll Besuchende dazu inspirieren, die Sammlung mit einem neuen, differenzierten Blick auf die Fragen, die sich aus der Präsentation der Kunst selbst und aus ihrem Weg von den Herkunftsländern nach Zürich ergeben, zu entdecken.

Die Sammlungen des Museums Rietberg sind vielen bekannt und vertraut. Manche Besuchende haben Lieblingsobjekte und kommen regelmässig, um diese zu betrachten. Die Geschichten, die in "Wege der Kunst" erzählt werden, aktivieren die Objekte auf eine neue Art und Weise, stellen sie in einen sichtbaren Kontext und beleuchten sie aus verschiedenen Perspektiven von ihrer Entstehung zur Erwerbung und schliesslich bis zu ihrer Präsentation im Museum.

Die auf ein ganzes Jahr angelegte Ausstellung "Wege der Kunst" lädt erstmals umfassend zu einer Neuentdeckung der Sammlungen ein, indem an ausgewählten Fallbeispielen diese und weitere Fragen beantwortet werden: Welche Wege haben diese Kunstwerke zurückgelegt, um ins Museum zu gelangen? Woher kommen sie, was haben sie erlebt und wie sind sie auf ihrem Weg verändert worden?

Die wenigsten Objekte in den Sammlungen des Museums Rietberg waren ursprünglich für eine Präsentation im Museum bestimmt, sondern dienten religiösem Gebrauch oder ritueller Verwendung, der privaten Liebhaberei, dekorativem Zweck, ebenso dem wissenschaftlichen Studium und repräsentativem Prestige. Auf dem Weg ins Museum erfuhren die Objekte einen Bedeutungswandel. Der Rundgang erzählt diese Geschichten von Transfer und Transformation der Objekte und ermöglicht so unterschiedliche Sichtweisen auf die Werke im Museum. Damit thematisiert "Wege der Kunst" für das erste Mal die kaum bekannten Prozesse, die hinter der "Musealisierung" der Kunstwerke stecken.

Dōji, Nō-Maske eines Knaben mit Beutel und Kissen. Japan, Momoyama- bis frühe Edo-Zeit, 16.–17. Jh., Holz der japanischen Zypresse (hinoki) mit farbiger Fassung, Museum Rietberg, RJP 4035, Geschenk Balthasar und Nanni Reinhart.

Bild: Dōji, Nō-Maske eines Knaben mit Beutel und Kissen. Japan, Momoyama - bis frühe Edo-Zeit, 16.–17. Jh., Holz der japanischen Zypresse (hinoki) mit farbiger Fassung, Museum Rietberg, RJP 4035, Geschenk Balthasar und Nanni Reinhart.

Provenienz: 16./17. Jh. – um 1907/13, Fürstenfamilie Nanokaichi-Maeda; um 1907/13–1928, Ernst Grosse, Freiburg im Breisgau, durch Vermittlung von Hayashi Tadamasa und Kano Tessai; 1928–1955, Georg Reinhart, Winterthur; 1955–1989, Balthasar Reinhart, Winterthur, Foto: Rainer Wolfsberger

Das Museum Rietberg präsentiert mit dieser Ausstellung einen Parcours durch die Sammlungsräume. Dort laden 22 Stationen die Besuchenden ein, sich auf die Geschichten zu den Werken und ihren Hintergründen einzulassen. Jede Station enthüllt eine Geschichte und die jeweiligen Hintergründe der Präsentation der Kunstwerke im Museum. Dabei werden alle Abteilungen und Objektgattungen des Museums miteinbezogen: von Textilien, Steinskulpturen, Bronze- und Keramikobjekten über Schnitzereien hin zu Malereien und Holzschnitten, Fotografien sowie Büchern und Schriftstücken. Die Objekte werden dabei nicht isoliert gezeigt, sondern um ihre vielfältigen Kontexte angereichert. So bilden sie zusammen mit Dokumenten wie Briefen und Fotografien, Rechnungen und Katalogen, Karteikarten und Inventarbüchern eine Einheit, eine Geschichte. Die ergänzte Präsentation macht Kunst und ihre Kontexte auf eine umfassende Art zugänglich.

"Wege der Kunst" geht durch die differenzierte Betrachtung der Sammlungen auf aktuelle politische und wissenschaftliche Diskussionen ein. Die Ausstellung verändert damit unseren Blick auf die Kunstwerke, die in ihren multiplen Kontexten und aus diversen Perspektiven erlebt werden. Indem sie die Herkunftsgeschichten nachzeichnet, ist die Ausstellung ein wichtiger Beitrag zu aktuellen Debatten rund um Provenienzen und Restitutionen, um damit zugleich die Grundlage für die zentralen Fragen zu legen: Welche Geschichten stecken in einem Museum, was bedeutet dies für den künftigen Umgang mit den Sammlungen?

Als sich das Museum Rietberg der eigenen Gründungsgeschichte angenommen und Forschungen zum Sammler und Bankier Eduard von der Heydt angestellt hatte, standen seine komplexe Biografie und die Erwerbungen aus der Zeit des Nationalsozialismus in den 1930er- und 1940er-Jahren im Zentrum. Erkenntnisse aus dem Projekt mündeten 2013 in die grosse Ausstellung "Von Buddha bis Picasso. Der Sammler Eduard von der Heydt". Zuletzt bot 2018/2019 die Sammlungsintervention "Die Frage der Provenienz" weitere Einblicke in die Sammlungsgeschichte.

Mit der 2008 schweizweit ersten Stelle für Provenienzforschung nimmt sich das Museum Rietberg seit Längerem den Fragen nach Besitzverhältnissen und unrechtmässigen Aneignungen an und pflegt einen kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte und den Sammlungen. Erwerbungen im Rahmen kolonialer Strukturen und Plünderungen bei kriegerischen Auseinandersetzungen gehören zur Geschichte des Kunsterwerbs und damit auch zu Museen mit aussereuropäischem Sammlungsgut. Auch die sich daraus ergebenden ethischen und rechtlichen Fragen im Umgang mit der Geschichte der Objekte sind ein Thema der Ausstellung, die im Sinne einer gemeinsamen und geteilten Geschichte zusammen mit dem Publikum, der Diaspora und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Herkunftsländern diskutiert wird.

Provenienzforschung ist einer der Schwerpunkte der Beschäftigung des Museums Rietberg mit seiner Sammlung. Projekte wie die Benin Initiative Schweiz (BIS), bei der sich acht Schweizer Museen unter Federführung des Museums Rietberg der kollaborativen Provenienzforschung zu Kunstwerken aus dem Königtum Benin verschrieben haben, oder das Forschungsprojekt, das sich der Aufarbeitung der Provenienzen der Sammlung von Charles A. Drenowatz widmet, sind Beispiele dafür. Beide Projekte werden vom Bundesamt für Kultur (BAK) finanziell unterstützt und finden Eingang in "Wege der Kunst".

Nell Walden in ihrer Berliner Wohnung mit ihren Sammlungen aussereuropäischer Kunst. Um 1925, Hdschr. 121, Blatt 81 v, Handschriftenabteilung, Staatsbibliothek zu Berlin, Foto: bpk

Bild: Nell Walden in ihrer Berliner Wohnung mit ihren Sammlungen aussereuropäischer Kunst. Um 1925, Hdschr. 121, Blatt 81 v, Handschriftenabteilung, Staatsbibliothek zu Berlin, Foto: bpk

Der Rundgang startet im historischen Gebäude, der Villa Wesendonck, und führt durch die Sammlungsräume. Wegleitend sind Fragen, die in vier Bereiche eingeteilt sind: Sammeln, Zeigen, Handeln sowie Wissen. Vier sogenannte Fokusräume werden diesen Themen gewidmet und dienen als Schaltstellen der Ausstellung. Weitere Stationen sind in den Sammlungsräumen verteilt und sind farblich den vier Themen zugeordnet. Immer wieder werden Sammlerinnen und Sammler sowie Kunsthändlerinnen und Kunsthändler porträtiert, die im Zusammenhang mit den präsentierten Objekten eine tragende Rolle gespielt haben.

Die Ausstellung umfasst rund 400 Exponate, die Einsicht in die Sammlungsgeschichte geben. Sowohl Highlights wie auch Werke aus den Depots, Dokumente aus dem Museumsarchiv, aber auch aus Privatbesitz, Kataloge aus der Bibliothek und Postkarten oder Fotografien dienen der Veranschaulichung der Wege der Werke ins Museum.

Multimediale Stationen von interaktiven Touchscreens über Hörstationen bis zu Videoprojektionen lassen die Wege der Objekte anschaulich und auch spielerisch nachvollziehen. Neben Vertiefungsmöglichkeiten in einzelne Objektgeschichten gibt es übergreifende Stationen, die dem Publikum die Möglichkeit bietet, die Wege der Kunst selber zu erfahren. So bietet eine interaktive Station die Möglichkeit, die Sammlungserweiterungen auf einer Zeitschiene im Laufe der 70-jährigen Geschichte des Museums zu erfahren oder digital Inszenierungsmöglichkeiten auszuprobieren. Besuchende ordnen in einem Memory-Spiel Objekte und Kontexte einander zu und äussern bei einer anderen Applikation ihre persönliche Ansicht, was sie über einzelne Kunstwerke am meisten interessiert.

Auf das jüngere Museumspublikum wartet ein Kinderparcours: Mit einem Set mit Stift, Knetwachs und Faltpapier können sich 5- bis 10-Jährige durch die Ausstellung bewegen, einer Kinderspur folgen und sich an fünf Stationen in die Objekte vertiefen.

Der umfangreiche und illustrierte Katalog, erschienen auf Deutsch und Englisch bei Scheidegger & Spiess, ist ein Lesebuch zur Ausstellung. 20 Autorinnen und Autoren setzen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit den Sammlungen des Museums auseinander. Hrsg. Esther Tisa Francini, unter Mitarbeit von Sarah Csernay, broschiert, 440 Seiten, 200 farbige und 50 s/w Abbildungen, CHF 39, erhältlich vor Ort und über shop.rietberg.ch 

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Kontakt:

https://rietberg.ch/informationen

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Grosse Flügelmaske, kepong. Papua-Neuguinea, Neuirland, 19. Jh., Holz, Bast, Fruchtkapseln, Textilien, Museum Rietberg, RME 405, Geschenk Eduard von der Heydt.

Bild: Grosse Flügelmaske, kepong. Papua-Neuguinea, Neuirland, 19. Jh., Holz, Bast, Fruchtkapseln, Textilien, Museum Rietberg, RME 405, Geschenk Eduard von der Heydt.

Provenienz: […]; bis spätestens 1932, Albert und Toni Neisser; spätestens 1932–1945, Nell Walden; ab 1945–1952, Eduard von der Heydt, Foto: Rainer Wolfsberger

 

 

 

 

 

 

 

 

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