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Theo Pinkus - Buchhändler, Kommunist, Querdenker

Theo Pinkus - Buchhändler, Kommunist, Querdenker

12.08.2009 „Roter Büchernarr“, „Bewegungskünstler“ – zwei liebevolle Zuschreibungen zu Theo Pinkus, dem legendären und lange umstrittenen Zürcher Buchhändler, Antiquar und Publizisten. Zum 100. Geburtstag zeigt eine Ausstellung in der Zentralbibliothek Zürich vom 18. August bis 19. Dezember 2009 biographische Stationen zum Leben und Wirkungskreis des unermüdlichen internationalen Netzwerkers.


Dazu erhält der Besucher einen vertieften Einblick in den Nachlass und die umfangreiche Bibliothek zur Geschichte, Theorie und Praxis der sozialistischen und kommunistischen Bewegungen, die im Jahr 2000 in die Zentralbibliothek Zürich gelangten.

Der 1909 in Zürich geborene Sohn einer aus Breslau zugewanderten jüdischen Familie zog aus den politischen und literarischen Neigungen der Eltern erste Inspirationen zu seinem Berufswunsch, Buchhändler und Verleger zu werden. Als Verlagslehrling bei Ernst Rowohlt in Berlin und als Mitarbeiter des kommunistischen Propagandisten Willi Münzenberg erlebte er die letzten Jahre der Weimarer Republik in Berlin, das er 1933, wenige Wochen nach dem Reichstagsbrand, verlassen musste, nachdem ihm die Polizei bei einer Hausdurchsuchung den Pass abgenommen hatte.

Zurück in Zürich stürzte er sich als Mitglied der kleinen Kommunistischen Partei der Schweiz in die politische Agitation vor Ort. Als Mitarbeiter der von Moskau kontrollierten Nachrichtenagentur „RUNA“ blieb er in engem Kontakt mit der Kommunistischen Internationale. Zugleich engagierte er sich in der Gewerkschafts- und Kulturarbeit, bei den Naturfreunden und war für die „Arbeiter Illustrierte Zeitung“, der späteren „Volksillustrierten“, tätig.

Der umtriebige Aktivist zog den Verdacht der Schweizer Bundespolizei auf sich. Dennoch übergab man ihm im Frühjahr 1939, als sich die politische Schweiz im Antifaschismus zusammenfand, die Programmredaktion der „Landi“-Zeitung. Nicht erstaunlich ist, dass der Querdenker Pinkus, der in seiner Zusammenarbeit mit Vertretern verschiedener Strömungen der politischen Linken undogmatisch und in seinen hartnäckigen Ansprüchen an sie unbequem war, 1942 aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen wurde.

1940 gründete Theo Pinkus an der Froschaugasse 17 in Zürich einen Büchersuchdienst. 1948 kam die auf Sozialismus und Arbeiterbewegung spezialisierte Buchhandlung an der Predigergasse 7 hinzu, und der spätere Laden an der Froschaugasse 7 war für die Linke in Zürich während Jahrzehnten ein Begegnungsort.

Von 1948 bis 1987 gab er als linkes Diskussionsforum die Wochenzeitschrift „Zeitdienst“ heraus. Um den Dokumentenband „Schweizerische Arbeiterbewegung“ erscheinen zu lassen, übergab er 1974 seinen Limmat Verlag an die Autorengruppe.

1971 initiierte Pinkus „Salecina“, ein selbstverwaltetes Ferienhaus und Zentrum für politische Seminare in Maloja.

In allen diesen Aktivitäten war ihm seine Frau Amalie Pinkus-De Sassi wichtige Begleiterin und Stütze.

Ihrem unverbrüchlichen Glauben an die Wirkung des geschriebenen Wortes bauten sich Theo und Amalie Pinkus mit der „Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung“, die sie in eine Stiftung überführten, ein Denkmal. Die 50’000 Titel umfassende Sammlung, das eigentliche Lebenswerk des legendären Zürcher Ehepaares, ging im Jahr 2000 zusammen mit der vorwiegend belletristischen Privatbibliothek und dem Nachlass Pinkus in die Zentralbibliothek Zürich. Sie wird dort professionell erschlossen und steht der Öffentlichkeit unter der Signatur SGA zur Ausleihe bereit.

Die Ausstellung im Katalogsaal der Zentralbibliothek Zürich, Zähringerplatz 6, ist Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, Samstag von 9 bis 17 Uhr, bei freiem Eintritt geöffnet

zbz

Kontakt:

http://www.zb.uzh.ch/index.html?http://www.zb.uzh.ch/presse/pinkus.html

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