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"STORIES WRITTEN: ZURICH ART PRIZE WINNERS 2007-2023"

"STORIES WRITTEN: ZURICH ART PRIZE WINNERS 2007-2023"

06.06.2024 Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv Zürich, bis am 8. September 2024


Bild: Ausstellungsansicht mit Werken von Leonor Antunes, Damiàn Ortega und Mai-Thu Perret, Museum Haus Konstruktiv, 2024 - Foto: Stefan Altenburger

Die Ausstellung "Stories Written: Zurich Art Prize Winners 2007–2023" würdigt die langjährige Partnerschaft zwischen dem Museum Haus Konstruktiv und der Zurich Insurance Company Ltd. Die Gruppenschau präsentiert ausgesuchte Arbeiten von bisherigen Gewinner:innen des renommierten Kunstpreises.

Zu sehen sind Werke von Carsten Nicolai, Ryan Gander, Mai-Thu Perret, Adrián Villar Rojas, Mariana Castillo Deball, Haroon Mirza, Latifa Echakhch, Nairy Baghramian, Robin Rhode, Leonor Antunes, Amalia Pica, Sonia Kacem, Kapwani Kiwanga und Damián Ortega.

Gemeinsam mit der Zurich Insurance Company Ltd., Patronatspartnerin des Museums, hat das Haus Konstruktiv 2007 den Zurich Art Prize ins Leben gerufen. Seither wird jährlich eine eigenständige künstlerische Position honoriert, die sich an den Schnittstellen zwischen dem kulturellen Erbe der konstruktiv-konkreten und konzeptuellen Kunst und gegenwärtigen Tendenzen bewegt. Seit 2018 setzt sich der gestiftete Preis aus einem Budget von CHF 80'000 für die Produktion einer Einzelausstellung und einer Preissumme von CHF 20'000 zusammen.

Die Ausstellung

"Stories Written" versammelt 14 Preisträger:innen *) aus den Jahren 2007 bis 2023 in einer Gruppenschau, die sich über die oberen beiden Stockwerke des Museums erstreckt. Mit der Werkauswahl, die auf jüngere Arbeiten fokussiert, wird ein aktueller Einblick in die jeweilige künstlerische Praxis gewährt. Im Verbund bieten die Exponate einen erfrischenden Überblick über zeitgenössisches Kunstschaffen im In- und Ausland sowie über Formen der Anknüpfung an die Geschichte der konstruktiv-konkreten und konzeptuellen Kunst.

Im ersten Ausstellungsraum des vierten Stockwerks sind vier grossformatige Arbeiten von Robin Rhode (geb. in Kapstadt, ZA, lebt und arbeitet in Berlin) aus der Serie Blues Vignette (2023) zu sehen. Der Künstler ist bekannt dafür, Street-Art, Malerei, Zeichnung, Performance und Fotografie zu poetischen visuellen Kurzgeschichten zu kombinieren. Viele von ihnen spielen sich bis heute vor und in Korrespondenz mit einer Mauer im öffentlichen Raum von Johannesburg ab, wo Rhode Menschen mit von ihm skizzierten Alltagsgegenständen oder geometrischen Mustern interagieren lässt. Mit poetischer Leichtigkeit und aktivistischer Vehemenz werden Themen wie Rassismus, Gewalt oder Verdrängung aufgegriffen, die Rhode nicht zuletzt im Hinblick auf die Geschichte seines Heimatlandes beschäftigen. Für Blues Vignette liess sich Rhode von dem Gedicht «Blues in Black and White» inspirieren, in dem die afrodeutsche Poetin und Aktivistin May Ayim (1960–1996) mit musikalischen Metaphern über die Wiedervereinigung Deutschlands unter fortwährendem sozialem und kulturellem Ausschluss der schwarzen Bevölkerung schreibt.

Die im Haus Konstruktiv präsentierten, auf Leinwand aufgezogenen Fotoarbeiten in Schwarz-Weiss zeigen ein junges Paar in tänzerischen Posen vor besagter Mauer, die der Künstler auf den Fotografien nachträglich mit blauer Sprühfarbe versehen hat. Behutsam werden die Körper von zarten Bergformationen oder Wassertropfen umhüllt und – inmitten einer, so der Künstler, verratenen und sich selbst überlassenen Stadt – Momente der Ruhe, Hoffnung und Schönheit erschaffen.

Something that 'is' versus something that 'occurs' (2023) lautet der Titel der installativen Arbeit von Ryan Gander (geb. 1976 in Chester, UK, lebt und arbeitet in London) im nächsten Raum. Zu sehen ist ein Schliessfachsystem aus transparentem Acrylglas, das die Sicht auf die darin eingeschlossenen Gegenstände freigibt: Rucksäcke, Papiertüten, Sonnenbrillen, Kaffeebecher, Kleidungsstücke, Pflegeprodukte und vieles mehr. Jedes Arrangement kommt doppelt vor. Vorstellungen von Singularität, Zufälligkeit und Privatsphäre, die mit dem Deponieren persönlicher Habseligkeiten in einem Schliessfach assoziiert sind, werden in dieser Installation gründlich unterwandert. Und nicht zuletzt sind die ausgestellten Dinge eine Einladung ans Publikum, sich das Leben ihrer fiktiven Besitzer:innen auszumalen.

Die Arbeit Maintainers D (2018) zählt zu einer grösseren Werkgruppe, in der Nairy Baghramian (geb. 1971 in Isfahan, IR, lebt und arbeitet in Berlin) dem Entstehungsprozess von Gussplastiken nachgeht. Die in der Ausstellung gezeigte Arbeit setzt sich aus mehreren eng aufeinander bezogenen Elementen zusammen: einem rechteckigen Guss aus rohem Aluminium, zwei organischen Formen aus poliertem Wachs und Klammern aus Metall und Kork. Letztere verbinden die Aluminiumplatte mit dem mattgelben Wachskorpus. Das Material von Maintainers D, sein Verarbeitungsgrad, die Kombination und Position der einzelnen Komponenten – an sich dazu angetan, eine Skulptur zu formen – evoziert Ideen von Verbundenheit und Abhängigkeit sowie von Bewahrung und Zerstörung.

Geleitet von ihrem Interesse für historische Fakten, überlieferte Mythen sowie für Erfahrungen und Methoden der Messbarkeit von Zeit, hat Mariana Castillo Deball (geb. 1975 in Mexiko-Stadt, lebt und arbeitet in Berlin) zahlreiche immersive künstlerische Projekte realisiert, darunter auch die Arbeit Calendar Fall Away (2022), ihren Beitrag zur 59. Biennale di Venezia. In Venedig hatte die Künstlerin den gesamten Fussboden des Mexikanischen Pavillons mit einer Serie von Holzschnitten zu einem begehbaren Bild gemacht. Die ins Holz eingeschnittenen Darstellungen erzählen anhand einer Vielzahl historischer Referenzen von der Kolonisierung Amerikas seit dem frühen 16. Jahrhundert. Verweise auf die Glaubenssysteme und Vorstellungen von Zeit und Raum der spanischen Kolonisatoren finden darin genauso Platz wie Symbole oder sonstige Spuren der präkolumbianischen Zivilisationen. Drei grossformatige Holzschnitte aus der vielteiligen Serie sind nun im Museum Haus Konstruktiv zu sehen. Fragmentarisch eröffnen sie den Zugang zur vormaligen Gesamtkomposition und machen auch auf kleinerem Raum das dichte Netz erfahrbar, das Castillo Deball gesponnen hat.

Calendar Fall Away 85 beispielsweise zeigt eine Illustration des Buchstaben «N» aus dem mnemonischen Alphabet von Diego de Valadés, dem eine wichtige Rolle in der Christianisierung der Bevölkerung zukam. Hinzu kommt ein Versatzstück aus einem Handbuch für franziskanische Missionare, das ebenfalls auf Valadés bzw. einen Kupferstich von ihm aus dem Jahr 1579 zurückgeht. Abgeschlossen wird der Ausschnitt mit dekorativen Elementen, an die sich die Künstlerin aus dem Zuhause ihrer Grosseltern erinnert.

Adrián Villar Rojas (geb. in Rosario, AR, lebt und arbeitet nomadisch) konzipiert längerfristige, kollektiv und gemeinschaftlich realisierte Kunstprojekte, die als grossformatige und ortsspezifische, ebenso imposante wie fragile Installationen Gestalt annehmen. In seinen Erkundungen, die Skulptur, Zeichnung, Video, Literatur und Spuren des Performativen miteinander vereinen, untersucht der Künstler die Conditio einer gefährdeten, vom Aussterben bedrohten oder bereits untergegangenen Menschheit, indem er die artenübergreifenden Grenzen einer in sich gefalteten Zeit des Post-Anthropozäns nachzeichnet, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenlaufen.

In "Stories Written" präsentiert Villar Rojas drei Skulpturen, die aus der Serie Brick Farm hervorgegangen sind. Inspiriert ist diese Serie vom argentinischen Hornero-Vogel, der seine Nester aus Lehm, Stroh und Schuttteilen baut und sie an die von Menschen gebaute Umgebung anpasst. In den neueren Arbeiten findet nun eine Verlagerung statt von den vom Hornero inspirierten organischen und vergänglichen Skulpturen hin zu einer artifizielleren und doch auch nicht menschgemachten Materialität. Mittels einer Verknüpfung von Softwaresystemen, zusammenfassend als «Time Engine» bezeichnet, hat Villar Rojas eine Reihe detailreicher virtueller Welten geschaffen und darin Skulpturen aufgestellt.

Dank der durch Time Engine ermöglichten Simulation diverser Einflüsse – von Umwelteinflüssen bis zu soziopolitischen Entwicklungen über Zeitspannen von Stunden bis zu Jahrtausenden – konnte er seine ohnehin experimentelle skulpturale Praxis weiterentwickeln und Werke erschaffen an Orten und in Zeiten jenseits unserer greifbaren Wirklichkeit. Aufgrund der extremen Bedingungen, die in jeder der Welten auf die Skulpturen einwirkten wurden diese zunehmend komplexer und geschundener: Sie wurden durch Brände versengt und durch eine veränderte Schwerkraft deformiert. Unruhen stürzten und Kriege beschädigten sie. Andere Lebensformen fanden Schutz in ihnen oder gediehen auf ihnen. Der Künstler modellierte Welten, die ihrerseits die Skulpturen modellierten.

In der Säulenhalle im dritten Stock des Museums lädt die wandfüllende Textilarbeit Les étangs – zu Deutsch «Die Teiche» – von Mai-Thu Perret (geb. 1976 in Genf, lebt und arbeitet ebd.) zum Eintauchen und Verweilen ein. Die Arbeit war Teil einer Einzelausstellung im französischen Le Havre, für die sich Perret spielerisch mit der Architektur der Stadt und deren Einbindung in die Geschichte von Modernismus und Tropícalismo auseinandersetzte.

Die Gestaltung des Textils mit seinen organischen, amöbenhaften Formen ist inspiriert von einer Gouache des brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx aus dem Jahr 1938. Er gilt als Vater der tropischen Gartengestaltung und hat, beeinflusst von modernen Künstlern wie Hans Arp und der Fauna seines Heimatlandes, zahllose unverwechselbare Gartenanlagen entworfen und umgesetzt. Seine erste, für die auch besagte Entwurfszeichnung entstand, setzte er auf dem Dach des Gesundheitsministeriums in Rio de Janeiro um. Perret überführt die von der Pflanzenwelt inspirierte Formensprache von Burle Marx’ «lebenden Bildern» an einen Ort der Kunst und kultiviert sie ein zweites Mal. Die theatrale Dimension dieses Vorgangs wird unterstrichen, indem die Künstlerin ihr Textil einem Bühnenvorhang nachempfindet.

Auf den gegenüberliegenden Wand wird eine mehrteilige Arbeit von Latifa Echakhch (geb. 1974 in Marokko, lebt und arbeitet in Vevey) präsentiert. Die vier grossformatigen Bilder mit dem Titel Last Black (2024) sind nach einer Décollage-Technik entstanden. Dafür wurden die Leinwände mit einer dünnen Schicht Beton versehen und anschliessend mit schwarzer Acrylfarbe übermalt. Mithilfe eines Spachtels entfernte die Künstlerin nach und nach Teile der gehärteten monochromen Beschichtung, sodass von Bild zu Bild mehr von der nun grauen Leinwand freigelegt ist. Die dunklen Muster, die zurückbleiben, sind erstaunlich filigran und weisen eine fast organische Qualität auf. Sie stehen in einem spannungsvollen Verhältnis zum kraftvollen Akt des Abtragens, der sich in Form von Kratz- und Schabspuren in das Gewebe eingeschrieben hat.

Etwas anders als bei Werken aus derselben Serie, in denen figurative Fragmente von gemalten, auf Fotografien basierenden Sujets zu erkennen sind, setzt Last Black Material und Prozess selbst in Szene. In vier Teilen erzählen An- und Abwesenheit bzw. Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Leinwand, Beton und Farbe vom Vorgang des Schöpfens und Zerstörens, der im künstlerischen Schaffen von Latifa Echakhch technisch wie thematisch eine zentrale Rolle einnimmt.

Die von der Decke hängende Struktur aus Leder stammt von Leonor Antunes (geb. 1972 in Lissabon, lebt und arbeitet in Berlin). Zur 2007 begonnenen und bis heute fortgesetzten Serie der random intersections gehörend, spielt die Arbeit auf Lederseile an, die zum Führen von Pferden eingesetzt werden. Sie ist angelehnt an Collagen des italienischen Architekten, Designers und Fotografen Carlo Mollino (1905–1973), die er als Vorstudien für den Bau der Società Ippica Torinese fertigte, einer in den späten 1930er-Jahren errichteten und bereits 1960 wieder zerstörten Reitschule in Turin.

Wie für die meisten ihrer Werke hat Antunes für die äusserst sorgfältige Herstellung ihrer Objekte mit Kunsthandwerker:innen zusammengearbeitet, die in diesem Fall traditionelle Lederverarbeitungstechniken beherrschen. Durch ein Hanfseil verbinden sich die kunstvoll ineinander verschlungenen Lederriemen mit dem Ausstellungsraum. Im Spiel mit Licht und Schatten entfalten sie eine geisterhafte Präsenz, während der Titel der Serie die wortwörtlichen und metaphorischen «Kreuzungen» aufgreift, an denen sich Linien und Flächen genauso überschneiden wie Kunstgeschichte(n) und Gegenwartskunst.

In derselben Raumhälfte sind zwei Arbeiten von Damián Ortega zu sehen, die auf Theo van Doesburgs Raumstudien für das Projekt Maison Particulière aus den 1920er-Jahren basieren. Ortega hat van Doesburgs schwebende Strukturen in den Primärfarben sowie Weiss und Schwarz auf dünne Holzfussbodenpaneele übertragen. Während Ortega für Deconstructing Theo die Einheit der isometrischen Zeichnung weitgehend beibehält, geht er bei Sinnlos Theo einen Schritt weiter. Durch nachträgliches Verschieben einzelner Paneele wirbelt der Künstler die Nüchternheit und Kohärenz der historischen Vorlage durcheinander. Der Werktitel verweist auf die erschwerte Lesbarkeit, die die Auflösung des Bildgefüges mit sich bringt. Ferner nimmt er Bezug auf Ortegas Zeit in Berlin, auf «Verschiebungen» und Missverständnisse in der Kommunikation in einer unbekannten Sprache.

Amalia Pica (geb. 1978 in Neuquén, AR, lebt und arbeitet in London) ist in der Ausstellung mit einer Reihe kleinformatiger Collagen sowie zwei Objekten vertreten. Alle Arbeiten gehören zur Serie Catachresis (seit 2011), die sich um die gleichnamige rhetorische Figur (dt.: Katachrese) dreht, also um die Verknüpfung mehrerer, semantisch unstimmiger oder sogar konträrer sprachlicher Bilder zu einer Texteinheit – «Legs of the chair» oder «tongue of the shoe» sind Beispiele dafür. Pica generiert ihre Sprachbilder aus Zeitschriftenfragmenten oder anderem gefundenem Material, das sie zu witzigen Gebilden mit anthropomorphen oder tierähnlichen Zügen zusammenfügt. Mit der Werkserie spürt Pica der Vermengung dieser Wortkreationen nach und führt diese in dadaistischer Manier ad absurdum.

Catachresis ist charakteristisch für das Schaffen dieser Künstlerin, das sich
durch eine scharfsinnige und spielerische Auseinandersetzung mit Sprache, Vorstellungskraft und Kommunikation auszeichnet.

500 ft. von Kapwani Kiwanga (geb. 1978 in Hamilton, CA, lebt und arbeitet in Paris) im Kabinett dahinter war schon einmal im Museum Haus Konstruktiv zu erleben: in der Einzelausstellung der Künstlerin anlässlich des Zurich Art Prize 2022. In dieser Soundarbeit spricht Kiwanga nüchtern über die Architektur spezifischer Einrichtungen wie Gefängnisse oder Spitäler, über die Hygienebewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Europa sowie über Farbenlehre und Farbexperimente. Im Loop abgespielt, verknüpfen sich Anekdoten und Zitate zu einer mäandernden Erzählung, die Verbindungslinien zwischen zeitlich und räumlich disparaten Geschichten über Überwachung und Ausgrenzung hervortreten lässt. Begleitet wird sie von der Wandbemalung Linear Painting #15: Birren Beach Sand-Light Grey (U.S Coast Guard's Shore Establishments).

Der farbliche Wechsel auf der Höhe von 160 Zentimetern nimmt Bezug auf den Internationalen Tuberkulose-Kongress, der 1905 in Paris stattfand: Zur Eindämmung der bakteriellen Infektionskrankheit wurde damals vorgeschlagen, die Wände in Spitälern bis zu ebendieser Höhe mit einer abwaschbaren Farbe zu streichen; eine Episode, die Kiwanga auch in 500 ft. erwähnt. Die Farbkombination geht, wie der Titel der Arbeit nahelegt, auf den US-amerikanischen Farbtheoretiker Faber Birren zurück. Dieser wirkte in den 1930er-Jahren als industrieller Farbberater und beriet auch das US-Militär bei der Gestaltung verschiedener Einrichtungen, mit dem Ziel, Aspekte wie Arbeitsmoral und Sicherheit des Personals zu erhöhen. Die Werkpräsentation veranschaulicht Kiwangas Interesse für historische und gegenwärtige Machtasymmetrien und deren Institutionalisierung.

Sonia Kacem (geb. 1985 in Genf, lebt und arbeitet ebd.) arbeitet skulptural und installativ. Angeregt durch Impulse der Minimal Art etwa oder der arabisch-islamischen Kunst, interessiert sich Kacem für verschiedene Spielarten von Abstraktion, für die Übergänge zwischen Fläche und Volumen oder auch für Fragen der Massstäblichkeit. Das zweiteilige Wandobjekt Bruxelles (2020/21), ausgestellt im zweiten Kabinett, steht emblematisch für die Beschäftigung der Künstlerin mit den genannten Themen. Kacem hat Massstab und das Volumen der beiden Objekte, die ursprünglich als voneinander unabhängige Arbeiten für eine Soloschau in Brüssel entstanden, harmonisiert. Die mit Markisenstoff bespannten Konstruktionen – die eine erstrahlt in Rot und Blau, die andere in Rot und Orange – scheinen in ihrer Farbigkeit den Dialog mit dem Publikum nachgerade provozieren zu wollen und halten, weit in den schmalen Raum ragend, die Betrachter:innen zugleich auf Distanz.

Im kleineren Ausstellungsraum der dritten Etage werden Arbeiten aus Licht von Haroon Mirza und eine Bodenarbeit aus Glas von Carsten Nicolai präsentiert. Mirza (geb. 1977 in London, lebt und arbeitet ebd.) arbeitet installativ und experimentell. Mit Licht, Sound und/oder Video erzeugt er ungewöhnliche Wahrnehmungserfahrungen, für die ältere technische Geräte wie Kassettenrekorder oder Plattenspieler genauso zum Einsatz kommen wie Solarzellen oder neueste Computersysteme.

Im Haus Konstruktiv ist er mit zwei Wandarbeiten aus der Serie Light Works (2012–2023) vertreten. Dabei handelt es sich um Zeichnungen aus roten, blauen und grünen LED-Streifen, deren elektromagnetische Wellen sich im Raum zu weissem Licht verbinden. Die Länge der Streifen leitet sich von ihrer jeweiligen Strahlkraft ab bzw. vom Verhältnis der Intensität der RGB-Farben zueinander.

Die Zeichnungen in Blau, Rot und Grün stehen hier in einem Grössenverhältnis von 1:3:9. Kabel und Kupferbänder verbinden die einzelnen Streifen miteinander und erzeugen einen geschlossenen Kreislauf in bewusst reduzierter Formensprache. In Anlehnung an Werke der Minimal Art der 1960er-Jahre, etwa die Raumskulpturen aus Schnur von Fred Sandback und Lichtarbeiten von Dan Flavin, untersucht Mirza mit seinen systematischen Linienzeichnungen aus Elektrizität und RGB-Farbsystem die Präsenz von Licht sowie dessen Interaktion mit dem Raum.

In der zweiten Raumhälfte wird die Arbeit Perfect Square (2004) von Carsten Nicolai (geb. 1965 in Chemnitz, ehem. Karl-Marx-Stadt, D, lebt und arbeitet in Berlin und ebd.) gezeigt. Nicolai, der vor allem für seine Sound- und Lichtinstallationen bekannt ist, beschäftigt sich in seinem Schaffen mit naturwissenschaftlichen Phänomenen und der Sichtbarmachung versteckter Ordnungssysteme.

Die Bodenarbeit visualisiert ein mathematisches Prinzip mittels geschichteter, gespiegelter Glasflächen: Als «Perfektes Quadrat» wird ein Quadrat bezeichnet, das sich aus unterschiedlich grossen Einzelquadraten zusammensetzt. Dass dafür mindestens 21 Einzelquadrate nötig sind, konnte 1978 mathematisch bewiesen werden.

Carsten Nicolai war 2007 der erste Preisträger des Zurich Art Prize und Perfect Square Teil seiner Einzelpräsentation im Museum Haus Konstruktiv. Die Arbeit ist nach der Schau in die hauseigene Sammlung eingegangen. Ihre erneute Präsentation wird so zur symbolischen Klammer für die Geschichte des Zurich Art Prize bis heute und für die vielen Geschichten, die im Zusammenhang mit dieser Auszeichnung schon geschrieben wurden.

*) Tino Sehgal (Zurich Art Prize 2008) und Marguerite Humeau (Zurich Art Prize 2017), sind aus organisatorischen Gründen in der Gruppenausstellung nicht vertreten.

Kuratiert von Sabine Schaschl, Evelyne Bucher, Eliza Lips

mhk

Kontakt:

https://www.hauskonstruktiv.ch/ausstellungen/

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Ausstellungsansicht mit Werken von Mariana Castillo Deball, Museum Haus Konstruktiv, 2024 - Foto: Stefan Altenburger

Bild: Ausstellungsansicht mit Werken von Mariana Castillo Deball, Museum Haus Konstruktiv,
2024 - Foto: Stefan Altenburger

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