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"SAMUEL BURI UND DAS BERNER OBERLAND"

"SAMUEL BURI UND DAS BERNER OBERLAND"

18.06.2024 Ausstellung im Schloss Spiez, vom 21. Juni bis am 20. Oktober 2024 - Eröffnungsfeier am 20. Juni 2024, 18 Uhr, in der Schlosskirche Spiez


Bild: Samuel Buri, 2024 - Foto: © Dominik Tomasik (Ausschnitt)

Die Sommer-Ausstellung im Schloss Spiez ist dieses Jahr einem bekannten Maler aus Basel gewidmet. Das Berner Oberland, wo Samuel Buri seit der Jugendzeit oft in den Ferien weilt, inspiriert ihn immer wieder aufs Neue.

Er ist ein Weitgereister und wohnte ab 1960 lange in Frankreich, wo er zunächst der französischen Maltradition und dem abstrakten Expressionismus nahestand. Mitte der 1970er-Jahre kehrte er in die Schweiz zurück und weilt seither wieder regelmässig in Habkern. Thunersee-Landschaften und Oberländer Motive sind in seiner Kunst häufig zu sehen – dies ist mit ein Grund, die leuchtenden und farbenfrohen Werke im Schloss Spiez zu zeigen.

Samuel Buri wurde 1935 als Pfarrerssohn im Berner Seeland geboren. Die Familie zog später nach Basel, wo der Vater Münsterpfarrer wurde. In Basel besuchte er nach dem Gymnasium die Gewerbeschule, vor allem die Malklasse von Martin Christ (1900 bis 1979). «Als künftigen Bauernmaler hat mich meine Mutter einst gesehen; der Vater erwartete eher einen Kirchenmaler.».

Dass es anders gekommen ist, zeigt der lange Weg, den der Künstler seither gegangen ist. Allmählich löste sich Samuel Buri von der traditionelleren Malweise seines Lehrers. Entscheidend war ein Malaufenthalt in Habkern 1956, welcher zur Abkehr vom Gegenständlichen hin zum assoziativen Festhalten von Naturimpressionen führte.

Im Jahr 1959 zieht Buri nach Paris; damit beginnt eine abstrakte Phase, und die Farben werden immer leuchtender. Es fliessen Erfahrungen aus der Pop Art ein und der gestische Farbauftrag verstärkt sich. Auch interessiert sich Samuel Buri für den amerikanischen Abstrakten Expressionismus bis hin zum Informel.

Ein frühes Intermezzo war sein Befassen mit dem Kuh-Motiv, welches Samuel Buri Bekanntheit verschaffte: nachdem er 1969 in Paris den Salon d’agriculture besuchte, vor allem den Viehmarkt mitten in der Stadt, fertigt er lebensgrosse Kuhplastiken aus Gips und Polyester und bemalt diese mit farbigen Mustern. Diese erhalten grosse Aufmerksamkeit – vor allem, als 1972 anlässlich einer Ausstellung von Schweizer Kunstschaffenden im Grand Palais eine ganze Herde dieser buntbemalten Kühe auf den Champs-Elysées «grast». Heute schmunzelt der Künstler darüber, nennt es eine Übergangsphase und nimmt etwas Distanz.

Die Übersiedlung Buris 1971 von Paris aufs Land, ins Burgund, löst eine neue Schaffensphase aus. Die Natur und die Landschaft rücken wieder stärker ins Zentrum – zunächst vorwiegend in Aquarellen und Gouachen, es entstehen aber auch grossformatige Acrylgemälde, zum Teil in postimpressionistischer Manier. Die Farbe, welche Buri als «Grundnahrung» bezeichnet, bleibt zentral.

Schliesslich lässt sich der Künstler 1983 mit seiner neuen Familie in Basel nieder. Bereits seit Mitte der 1970er-Jahre weilt er wieder häufiger in Habkern, wo er ein altes Bauernhaus zum Wohn- und Atelierhaus umbaut. Am Neujahrstag 1975 malt er das Selbstbildnis im Spiegel mit winterlichem Fensterausblick. Fensterrahmen und Fensterkreuze sind bei Buri wiederkehrende Motive; sie haben eine ähnliche Funktion wie etwa zuweilen auch ein Gitter oder ein Gartenhag, dienen sie doch als Strukturierung der Komposition und erlauben einen Durchblick von innen nach aussen.

Bezeichnend für Samuel Buris Schaffen sind des weitern Serien, das Ornamentale und die Kombination von verschiedenen Stilelementen. Dabei greift er zuweilen auch auf bekannte Vorlagen zurück - so regt ihn u.a. das Titelbild des frühen Alpenhornkalenders mit dem alphornblasenden Kuhhirten zu einer Serie an. Auch die Serie «Greti bringt ds’ Znüni» ist durch eine Abbildung in einem Buch des Mädchens Greti in der Haslitaler Arbeitstracht inspiriert. Mittels einer Schablone, Spritztechnik und Siebdruck, vervielfältigt der Künstler das Motiv in unterschiedlichen Farben.

In Habkern widmet sich Buri mitunter der Landschaftsmalerei, wobei er zunehmend in die traditionellen Landschaftsausschnitte eingreift. So fügt er das eindrückliche und unverwechselbare Wahrzeichen des Berner Oberlandes - Eiger, Mönch und Jungfrau - in unterschiedlichen Farbtönen zu einem zusammenklingenden Trio aneinander.

Die drei Bergansichten – die ja schon zahlreiche Maler von Hodler bis Surbek faszinierten -sind vom Motiv her zwar identisch, doch farblich verschieden – dominant sind Blau, Grün und Rot. Zugleich geht Buri analytisch vor und wendet eine weitere verfremdende Massnahme an: in die jeweilige Bildmitte fügt er ein zweifarbiges Rechteck ein, das den Blick auf sich zieht. Im Grunde spielt er mit komplementären Farbgegensätzen. Dadurch versucht er, der Gefahr zu entgehen, dass eine Landschaftsdarstellung nach alter Tradition allzu gefällig wirkt - was er als nicht mehr zeitgemäss erachtet. Das Auge der Betrachtenden wird durch den in die Mitte des jeweiligen Gevierts gesetzten abstrakten bunten rechteckigen Akzent abgelenkt – die Ruhewird «gestört». Durch diese Kombination von geometrischen Elementen und der farblichen Verfremdung traditioneller Landschaftsmalerei lässt der Künstler bekannte Panoramen in neuem Licht vibrieren. Bei der Bemalung der Rahmenleisten wechseln die Farben ebenfalls ab – auch dies ist eine Art ornamentale Rhythmisierung.

Unweigerlich gemahnen die intensiven Farbkontraste bei gleichzeitiger Flächigkeit auch an das Vorgehen während seiner PopArt-Phase, hallen doch Warhols serielle Grafiken in abwechselnder Farbigkeit ebenfalls nach. Solche «gestörte» Werke, wie Buri sie nennt, finden sich bei ihm seit den 1990er-Jahren, als er längere Zeit in den USA weilt und v.a. in Kalifornien nach der Natur in vielen Farb- und Mustervariationen experimentiert.

Noch heute verraten die beiden Ateliers in Basel und in Habkern seine nach wie vor unablässige Aktivität. Zwischen all den Bildern am Boden, zum Teil an der Wand lehnend, fällt auf einem grossen Tisch eine immense Auslage an Farbtuben und Farbflaschen auf –lauter Pinsel jeder Grösse daneben aufgereiht - Farbspritzer rund herum – eine Wunderkammer und Augenweide voller Überraschungen, Reminiszenzen und halbfertiger wie abgeschlossener Arbeiten. Bis heute ist das ungestüme Kolorit vorherrschend geblieben – ein wahres «Fest für das Auge».

cp

Kuratorin: Therese Bhattacharya-Stettler

Kontakt:

https://www.schloss-spiez.ch/museum-ausstellung-sammlung/kunstausstellung/samuel-buri-2024

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