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"QUELLNESS. GESCHICHTE DES BADENS IN GRAUBÜNDEN
"

"QUELLNESS. GESCHICHTE DES BADENS IN GRAUBÜNDEN
"

21.06.2024 Ausstellung im Rätischen Museum, Chur, bis am 15. September 2024


Bild: Ausstellung "Quellness", © Rätisches Museum, Chur

Schon früh waren Quellen von Mythen umrankt und Orte religiöser Praktiken. Das älteste Zeugnis davon in Graubünden ist die bronzezeitliche Quellfassung von St.Moritz. Seit dem 16. Jahrhundert beschrieben Naturforscher die heilende Wirkung von mineralhaltigen Quellen und analysierten die Zusammensetzung des Wassers. Badeärzte verordneten ausgedehnte Trink- und Badekuren gegen verschiedenste Leiden. Die ersten Kurgäste mussten dafür noch in Schluchten steigen und täglich bis zu zehn Stunden baden. Im 19. Jahrhundert wurden die Therapien kürzer und es entstanden moderne Kurhäuser, die auch mit Freizeitvergnügungen warben.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts verloren die Heilquellen und -bäder durch neue Behandlungsmethoden mit Medikamenten ihre frühere Bedeutung. Hingegen spielte das Baden im Alltag für die Hygiene und Körperpflege eine immer wichtigere Rolle. Die Privathaushalte wurden mit fliessendem Wasser und Badewannen ausgestattet. Es entstanden öffentliche Badeanstalten zur Förderung der Gesundheit durch den Schwimmsport. Seit einigen Jahrzehnten sind Thermen und Mineralbäder wieder beliebte Touristenziele. Wellness- und Lifestyle-Angebote versprechen Entspannung für Körper und Seele.

Quellfassung von St.Moritz

1853 stiess man bei der Sanierung der Mauritiusquelle in St.Moritz auf die hölzerne Originalfassung, bestehend aus zwei ausgehöhlten Lärchenstämmen, umgeben von einem Bohlenkasten und einem Blockbau. Bei der Bergung der Quellfassung 1907 fanden Archäologen in einem der Baumstämme mehrere bronzene Objekte: zwei Vollgriffschwerter, ein Schwertfragment, einen Dolch und eine Nadel. Solche Wertgegenstände wurden oft bei Gewässern als Weihgaben an eine Gottheit niedergelegt.

Mittels Dendrochronologie, also Jahrring-Analyse, konnte die Quellfassung auf 1411 v. Chr. datiert werden. Es handelt sich somit um die älteste bekannte Quellfassung Europas und einen der bedeutendsten Funde aus prähistorischer Zeit im Alpenraum. Die topografische Lage der St.Moritzer Quelle, mit den faszinierenden durch Eisenoxid gebildeten roten Wasseradern und dem kohlensäurehaltigen Wasser, trugen wohl auch dazu bei, dass sie als heilbringender Ort verehrt wurde. Seit 2014 ist die gut erhaltene Holzkonstruktion in der sanierten Trinkhalle, dem Forum Paracelsus, ausgestellt.

Mythen, Sagen, Legenden

Quellen, Flüsse und Brunnen sind wohl schon immer von Menschen als religiöse Orte mit magischer Kraft verehrt worden. Davon zeugen Fundgegenstände aus vorchristlicher Zeit, Opfergaben, die auf kultische Handlungen hindeuten. Rund um diese Plätze sind zahlreiche Mythen und Sagen entstanden, die vom Ursprung der Quellen und ihrer Heilwirkung erzählen.

Brunnengeister und Nymphen mit geheimnisvollen Kräften bewohnen und beleben das Wasser. Verzauberte Quellenjungfrauen warten auf einen Jüngling, der sie erlöst. Drachen oder Wassermänner bestrafen ungehorsame Menschen, indem sie ihr Land überfluten.

Auch im christlichen Glauben spielen Quellen eine besondere Rolle: Legenden berichten von Heiligen, die bei einer Quelle oder einem Brunnen als Märtyrer hingerichtet wurden. An dieser Stelle wirkten sie durch Wundertaten weiter oder es entsprang eine Quelle aus dem Blut des Glaubensboten. Oft wurden an solchen Orten Kirchen oder Kapellen errichtet und die Quellen tragen den Namen dieser Heiligen. Das Baden dort soll in der Zeit um Weihnachten, um den Walpurgistag und um Sankt Johann besonders heilkräftig wirken.

Bild: Ausstellung "Quellness", © Rätisches Museum, Chur

Bild: Ausstellung "Quellness", © Rätisches Museum, Chur

Mineralquellen

In Graubünden kommen auffallend häufig Mineralquellen vor. Dies hat mit dem geologischen Untergrund zu tun, in den sie eingebettet sind. Besonders dort, wo sich vor Millionen Jahren unterschiedliche Gesteinsschichten übereinander schoben, erleichtern die Spalten und Klüfte das Zirkulieren von mineralischen Wässern.

Das Niederschlagswasser, das vor langer Zeit in die Erde gesickert ist, nimmt auf seiner jahrelangen Reise durch Gesteins- und Felsschichten, wie z.B. Bündnerschiefer, verschiedene Mineralien auf, bevor es in einer Quelle austritt.

Das Gestein bestimmt auch seine Färbung, den Geruch und den Geschmack. Wenn ein Wasser an der Quelle eine Mindesttemperatur von 20 Grad Celsius aufweist – wie in Vals und Bad Ragaz – gilt es als Thermalwasser. Jedes Mineral- oder Thermalwasser ist einzigartig in seiner Zusammensetzung. Die häufigsten Inhaltsstoffe sind Kalzium, Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen, Chlorid, Sulfat und Kohlensäure. Es gibt auch Quellwässer, die Radon, Arsen oder Jod enthalten. Da die Mineralien im Wasser bereits gelöst sind, kann der menschliche Körper sie besonders schnell aufnehmen.

Wissenschaftliche Analysen

Unter Naturforschern und Ärzten des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit war Rätien als quellen- und mineralwasserreiches Gebiet bekannt. Vor 1600 wurden bereits 15 Quellen erwähnt.

Paracelsus rühmte 1515 die Wirksamkeit des «St.Moritzer Sauerbrunnens». Auch Conrad Gessner beschrieb 1553 unter anderen die Bäder von Alvaneu, Fideris, St.Moritz, Poschiavo und Scuol. Chronisten wie Johannes Stumpf und Sebastian Münster berichteten über die Heilquellen und Johann Jacob Scheuchzer stellte 1712 die Bäder von Pfäfers, Alvaneu, Fideris, Fläsch, Engadin auf seiner Schweizerkarte dar.

Die Naturforscher begannen die Zusammensetzung der Heilquellen zu untersuchen und beschrieben ihre mineralischen Bestandteile, den Geschmack, Geruch, die Farbe und Konsistenz des Wassers. Damit ein Bad als Heilbad galt, musste seine Quelle über eine spezielle Wasserqualität verfügen.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die chemischen und physikalischen Methoden immer genauer. Der Chemiker Adolf von Planta führte in seinem Labor im Schloss Reichenau Analysen von Quellwässern durch und publizierte die Resultate in zahlreichen Schriften.

Medizinische Heilmethoden

Im Mittelalter waren die Bader, welche Badestuben betrieben, die «Ärzte der kleinen Leu- te». Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Körperpflege der Aderlass, das Schröpfen und kleine chirurgische Eingriffe. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Medizin noch auf der Grundlage der antiken Säftelehre aufgebaut. Auch in den Heilbädern wurde in Kombination mit der Badekur geschröpft und zur Ader gelassen, um «böse Säfte» auszuscheiden. Im 18. Jahrhundert kamen vermehrt auch Trinkkuren in Mode. Von Ärzten verfasste balneologische Badeschriften beschrieben die Wirkungen des Heilwassers auf verschiedene Krankheiten. Sie gaben Einblick in die medizinischen Heilmethoden und dienten anderen Ärzten als Leit- faden. Entsprechend dem medizinischen Forschungsstand veränderten sich die Kurformen. Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde die Hydrotherapie entwickelt. Sie bot neben den nor- malen Bädern auch andere Wasseranwendungen an wie Duschen, Abgüsse, Abreibungen, Dampfschwitzbäder, Moor- und Fangobäder, Elektrobäder, Unterwasserstrahlmassagen und Inhalationen.

Bild: Ausstellung "Quellness", © Rätisches Museum, Chur

Bild: Ausstellung "Quellness", © Rätisches Museum, Chur

Badekuren

Im Mittelalter dienten Gemeinschaftsbäder als gesellschaftliche Treffpunkte für Männer und Frauen. Beim gemeinsamen Baden ging es nicht nur um Körperpflege und Gesundheit, sondern auch um Geselligkeit und Erotik. Man ass und trank an im Wasser stehenden Tischen oder schwimmenden Brettern und spielte Karten, begleitet von Musik.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden bei den Mineralquellen Badehäuser mit geheizten Einzelbädern eingerichtet. Strenge Badeordnungen regelten nun den Betrieb. Die Kur dauerte mindestens vier Wochen und begann mit dem Purgieren, d.h. der Reinigung des Darms durch Abführmittel. Darauf folgte das «Aufbaden», bei dem man die Zeit im Bad täglich steigerte, bis zu zehn Stunden. Der brennende Badeausschlag mit dem Aufspringen der Haut galt als
Zeichen der Heilung. Nach einigen Tagen wurde beim «Abbaden» die Badedauer zum Abgewöhnen wieder täglich gekürzt. Auch die Trinkkur erfolgte auf- und absteigend.

In den neuen Kurhäusern des 19. Jahrhunderts wurden die hölzernen Badkästen durch Wannen aus Email oder Kupfer ersetzt und die Dauer der Badekur reduziert. Nun blieb mehr Zeit für Erholung, Spaziergänge und Unterhaltung.

Kurbetriebe

Mit dem Ausbau der Verkehrswege im 19. Jahrhundert waren die Heilbäder besser erreichbar und entwickelten sich zu frühen Tourismusdestinationen. Die grösseren Kurhäuser wurden mit modernen Einrichtungen und Gesellschaftsräumen wie etwa einem Damensalon, Lesekabinett, Tanz- und Konzertsaal und einem Billardzimmer ausgebaut. In Prospekten und Inseraten warben sie mit einem breiten Freizeitangebot. In der näheren Umgebung entstanden Park- und Gartenanlagen für Spaziergänge und den Zeitvertreib. Kurorte wie Bad Ragaz, St.Moritz und Scuol-Tarasp-Vulpera orientierten sich an den mondänen ausländischen Vorbildern wie Baden-Baden, Vichy oder Karlsbad.

Heilende Mineralwässer wurden nicht nur an der Quelle getrunken, sondern auch verkauft. Für den Versand füllte man sie in Fässer und später in Flaschen ab. Abnehmer waren vor allem andere Kurorte, die dadurch Trinkkuren mit verschiedensten Quellwässern anbieten konnten. Die Flaschen wurden auch in Apotheken als Heilmittel verkauft und in alle Welt verschickt.

Bündner Mineralquellen

In der Broschüre «Rätische Kurorte und Mineralquellen» von Eduard Killias, die anlässlich der Schweizerischen Landesausstellung 1883 erschien, werden rund 100 mineralhaltige Quellen beschrieben. Auf der dazugehörigen Karte sind die Quellen, ihr Mineralgehalt und Angaben zum geologischen Untergrund eingezeichnet.

Von diesen Quellen wurden 1914 noch etwa 27 genutzt. Nach dem Ausbruch des ersten Weltkriegs blieben die Kurgäste aus. Die meisten Kurhäuser mussten schliessen, die grosse Blütezeit der Heilbäder war vorbei. Zum Niedergang der Bäder trugen auch die Fortschritte in der Medizin des 20. Jahrhunderts bei: Chemisch hergestellte Medikamente ersetzten die Mineralbäder und andere Heilmittel. Diese schnellen und günstigeren neuen Behandlungsmethoden machten lange Kuraufenthalte überflüssig. Nur wenige Heilbäder blieben bestehen. Allmählich wandelten sich die Badeorte wie auch die Luftkurorte in den Alpen zu Sportzentren.

Hygiene

Bei den Römern spielte die Therme für die Körper- und Schönheitspflege eine wichtige Rolle. Das öffentliche Bad war auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Zum Badebetrieb gehörten mindestens drei Baderäume: das Heissbad (caldarium), das lauwarme Bad (tepidarium) und das Kaltbad (frigidarium). Die Römer verfügten über ein ausgefeiltes Heizsystem mit einer Unterbodenheizung (Hypokaustum).

In Chur wurden 1965 auf dem Areal Markthallenplatz im Welschdörfli die Überreste eines römischen Thermengebäudes gefunden.

Im Mittelalter besuchte man für die alltägliche Körperhygiene die sogenannten Badehäuser. Vom 14. bis 16. Jahrhundert waren in Chur mehrere Badstuben in Betrieb, bis sie wegen Holzmangel, kirchlichen Sittlichkeitsgeboten und ansteckenden Krankheiten wie Aussatz oder Syphilis geschlossen wurden.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es in den städtischen Wohnhäusern fliessendes Wasser und nach 1900 bauten sich Vermögende erste separate Badezimmer mit Badewanne und Waschbecken in ihre Wohnungen. Wer nicht über ein eigenes Bad verfügte, konnte in den grösseren Städten ein öffentliches Volksbad besuchen.

Bild: Ausstellung "Quellness", © Rätisches Museum, Chur

Bild: Ausstellung "Quellness", © Rätisches Museum, Chur

Sportbäder

Im Lauf des 19. Jahrhunderts bildeten sich in der Schweiz Turnergruppen und Sportvereine. Dazu kam die Lebensreformbewegung, die als Teil einer natürlichen Lebensweise auch die Freiluft-Körperkultur propagierte. Dazu passten Licht- und Sonnenbäder, das Turnen und das Schwimmen.

In grösseren Gemeinden und besonders in Kurorten entstanden Schwimmanlagen, bei denen die sportliche Betätigung im Vordergrund stand. Bereits 1870 wurde in Chur die Bad- und Schwimmanstalt am Münzweg mit zwei Holzbecken und einem Sprungbrett erstellt. Am Caumasee bei Flims folgte 1880 eine See-Badeanstalt. Von Turnern gegründete Schwimmklubs förderten und organisierten den Schwimmunterricht mit dem Ziel, vor allem die Schuljugend zum Schwimmen zu animieren.

1922 eröffnete die Bad- und Schwimmanstalt-Genossenschaft in Chur das neue Freibad Sand. Vorerst badete man noch strikt nach Geschlechtern getrennt. 1930 wurde in Vulpera das dritte Hotel-Freibad der Schweiz gebaut. Ab der Zwischenkriegszeit verbreitete sich das Schwimmen als Freizeit- und Sportvergnügen in der breiten Bevölkerung – wobei in den Bergregionen viele Menschen noch keine Gelegenheit hatten, schwimmen zu lernen.

Wellness

Seit einigen Jahrzehnten sind Thermen und Mineralbäder wieder beliebte Tourismusziele. Baden und Wellness liegen im Trend. Durch Neubauten und luxuriöse Einrichtungen sind manche der traditionsreichen Badeorte neu belebt worden. Die klassische Kur wird durch Gesundheitsvorsorge ergänzt.

Das Heilbad ist heute auch ein Erlebnisbad. Es dient nicht mehr in erster Linie der Behandlung von Krankheiten, sondern der Entspannung und dem Wohlbefinden. Auch in den grösseren Hotels werden umfangreiche Serviceleistungen und Programme angeboten, die helfen sollen, den Alltagsstress abzubauen und den Körper zu verwöhnen.

Bei der Ernährung hat sich der Gebrauch von Mineralwässern als Tafelgetränk erfolgreich durchgesetzt. Der Begriff Wellness steht für ein ganzheitliches Lebensstil- und Gesundheitskonzept durch Schönheit, Harmonie und Erholung.

Wie in der Vergangenheit ranken sich auch heute viele Heilsversprechen um den Badekult: Moderne Wellness-Anbieter werben mit Begriffen wie «Paradies», «Oase» oder «Tempel» für den «Einklang von Körper, Geist und Seele».

rmc

Kontakt:

https://raetischesmuseum.gr.ch/de/ausstellungen/sonderausstellung/seiten/quellness.-geschichte-des-badens-in-graub%C3%BCnden.aspx

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