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"MEMORY - MOMENTE DES ERINNERNS UND VERGESSENS"

"MEMORY - MOMENTE DES ERINNERNS UND VERGESSENS"

07.08.2020 Ausstellung im Museum der Kulturen Basel


Bild: Ein wandfüllender Setzkasten stellt Souvenirs zur Schau - Foto: © MKB, Omar Lemke

Mit der Ausstellung "Memory - Momente des Erinnerns und Vergessens" gibt das Museum der Kulturen Basel (MKB) Einblick in die vielfältigen Formen und Praktiken, wie Individuen, Gruppen und Gesellschaften Ereignisse erleben, im Gedächtnis bewahren und in bestimmten Momenten hervorholen.

Persönliche Erinnerungen empfangen die Besucherinnen und Besucher. Ob Souvenirs, Poesie- und Fotoalben oder Taufbriefe, sie bergen Erinnerungen an einen bedeutungsvollen Moment, einen speziellen Ort oder eine wichtige Person. Und sie verdeutlichen laut Kurator Alexander Brust, dass Erinnerungen oft an Dinge geknüpft sind. Dinge sind Träger und Auslöser von Erinnerungen. Eine Wand - in Form eines raumfüllenden Setzkastens - voller Reiseandenken zeigt exemplarisch, wie selbst Massenware durch die biografische Erinnerung einzigartig wird, Bedeutung und emotionale Kraft erhält - vom Sammelteller bis zur Schneekugel.

Die Ausstellung deckt nicht nur persönliche Momente auf, deren gedacht wird wie Geburt, Hochzeit oder Tod, sondern auch gesellschaftliche Ereignisse wie Kriege, Katastrophen, Grenzöffnungen oder Unabhängigkeitstage.

Das Wie ist dabei zentral: Die Menschen besitzen eine Vielzahl von Praktiken, Formen und Medien, wie sie erinnerungswürdige Momente festhalten und überliefern oder Geschehnisse allenfalls verschweigen.

Gedächtnisstützen

Da Menschen schnell vergessen, schaffen sie Gedächtnisstützen. In einem zweiten Raum sind unterschiedliche Erinnerungshilfen ausgestellt: Rituelle Knotenschnüre aus Papua-Neuguinea erinnern an Sequenzen der Schöpfungsgeschichte der Nyaura vom Sepik-Fluss. Knotenschnüre aus Peru, sogenannte Khipu, wurden von den Inka zwischen ca. 1400 und 1532 für die Übermittlung von buchhalterischen, statistischen und strategischen Angaben sowie zur Erinnerung an historische Ereignisse verwendet. In Europa bekannt sind Tesseln.

Drei gravierte Felsbilder mit Tiermotiven aus der Westsahara zählen zu den ältesten künstlerischen Ausdrucksformen in Afrika. Sie datieren vermutlich aus der Jungsteinzeit. Drei Bambusrohre mit Ritzzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert zeigen historische Ereignisse aus dem Alltagsleben der Bevölkerung Neukaledoniens sowie Szenen der Begegnung und Auseinandersetzung mit den französischen Kolonisatoren.

Ahnen und Genealogien

Ahnen beeinflussen in vielen Kulturen das Leben ihrer Nachfahren. Die Ahnen werden mit Ritualen und Opfern verehrt und in verschiedensten Formen vergegenwärtigt. In Indonesien hatten geschnitzte Ahnenfiguren ihren festen Platz in jedem Haus. Der weltberühmte Türsturz aus Tikal aus dem 8. Jahrhundert ist ein zentrales Dokument zum Verständnis der Geschichte, Gesellschaft und Kosmologie der Maya und erinnert an den vermutlich mächtigsten Maya-Herrscher seiner Zeit: Yik'in Chan K'awiil aus der Dynastie von Tikal. Auf der Karte aus Tecamachalco sind indigene und europäische Vorstellungen von Territorien, Genealogien und Besitzverhältnisse erkennbar. Sie enthält Elemente einer mesoamerikanischen Bilderhandschrift sowie einer europäischen Landkarte. Die Aufzeichnungen wurden Mitte des 16. Jahrhunderts begonnen, um Ansprüche der indigenen Adligen gegenüber der spanischen Kolonialmacht geltend zu machen.

Aufarbeitung

Zwei Gedenkköpfe verweisen auf die Beerdigungszeremonien beim Tod eines Herrschers im damaligen Königtum Benin. Der älteste Sohn und Thronfolger errichtete jeweils im Gedenken an den Verstorbenen einen Altar, indem er einen Gedenkkopf aus Messing giessen liess. In der Sprache der Edo bedeutet "sa-e-y-ama", sich erinnern, wörtlich "ein Motiv in Bronze giessen".

Im Zuge der Kolonisierung plünderte eine britische Strafexpedition 1897 den Königspalast in Benin. Über 4'000 Objekte gelangten als Kriegsbeute nach London und später in die ganze Welt. In Benin hinterliess dieser Raub von Dingen, die die Erinnerung an die Vorfahren und die Geschichte des Königreichs verkörperten, eine schmerzliche Lücke. Die Benin-Objekte haben in den Debatten um die Provenienz von Museumssammlungen symbolischen Status. Heute wird diskutiert, wie eine Aufarbeitung und Restitution vonstatten gehen könnte.

Schriftliche Zeugnisse

Grosse Epen und heilige Schriften sorgen dafür, dass individuelle und kollektive Erfahrungen und Geschichte nicht in Vergessenheit geraten. Das MKB zeigt Bibeln, Tora, Koran, Heilungsrollen aus Äthiopien und Heilungsbücher der Batak aus Indonesien. Das alte indische Epos Ramayana wird in einer modernen, illustrierten Version der Künstlerin Sugandha Iyer präsentiert.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und insbesondere in den 1980er-Jahren eigneten sich breite Bevölkerungsschichten Medien für die Deutung und Bewahrung von Geschichte an, die zuvor weitgehend in den Händen von Eliten lagen. Sei es im Zug der Dekolonisierung, zum Ende des Kalten Krieges, der Apartheid in Südafrika oder lateinamerikanischer Diktaturen.

Frauenbewegungen, subalterne Gruppen und Minderheiten schufen Gegendiskurse zu offiziellen Narrativen und zeigen die Vielstimmigkeit des kollektiven Gedächtnisses. Auf Stoffen, Gemälden und Plakaten halten Akteure und Akteurinnen aus unterschiedlichen sozialen Schichten sowohl nationale Narrative und Gedenktage als auch Kritik an Diktaturen und Missbrauch der Staatsgewalt fest.

Totengedenken

Die Ausstellung endet im Gedenken an die Toten. In Europa ist dies Pflicht. Exponate wie Haarbilder, Totenbretter und Grabkreuze zeugen von der Erinnerung an die Verstorbenen. Während es in unseren Breitengraden an Allerseelen oder am Ewigkeitssonntag eher ernst zugeht, wird das Wiedersehen mit den Toten am Día de los Muertos auf den Friedhöfen in Mexiko fröhlich gefeiert.

Im Tiefland Südamerikas hingegen sollen Verstorbene vielerorts nicht erwähnt werden. Matsiguenga in Peru schaffen sogar Wächterfiguren zum Schutz vor den Toten.

Im Museum wird nicht nur Vergangenes bewahrt, es werden auch Erinnerungen konstruiert und vermittelt. Es bietet so Raum zur Reflexion über die Relevanz der Vergangenheit für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft und regt an, über eigene Erfahrungen und Erinnerungen nachzudenken.

In der Doppelrolle als Handelnde und Beobachtende sind wir alle an der Entstehung von Geschichte beteiligt. In der Station "Erlebte Geschichte" erzählen Zeitzeuginnen und -zeugen von ihren persönlichen Erfahrungen.

mkb

Kontakt:

https://www.mkb.ch/de/programm/events/2020/memory.html

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