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"FAMILIENBANDE"

"FAMILIENBANDE"

17.09.2022 Gruppenausstellung im Haus für Kunst Uri, Altdorf, bis am 20. November 2022


Bild: Installationsansicht Haus für Kunst Uri, Altdorf - Foto: https://www.hausfuerkunsturi.ch/ausstellungen/aktuell/ 

Mit der Ahnengalerie und dem Familienalbum ist es so eine Sache. Sie machen einen stolz, lassen einen erschauern oder sind Anlass für Peinlichkeit. Klar ist: Unserem Stammbaum entkommen wir nicht, auch wenn man sich dagegen auflehnt. Aber woraus besteht das Korsett, das uns unsere Vorfahren und insbesondere Eltern anlegen?

Unsere Mütter und Väter prägen unser Leben; was bleibt von ihnen – von den Geschwistern, Tanten und Onkeln, den Grosseltern?

Literatur, Film und überhaupt die visuellen Künste machten sich das komplizierte Verhältnis zwischen Eltern und Kindern schon immer zum Thema. Von der antiken Mythologie über Kafka bis zu Rebecca Gislers neustem preisgekrönten Roman "Vom Onkel", von den Filmen "Der Pate" über "Downtown Abbey" bis zum koreanischen Spielfilm "Parasite". Dabei ist die Realität oft absurder und grausamer als die Fiktion. Beispielsweise Rolf Mengele, Sohn des Nazi-Schwerverbrechers Josef Mengele, folgte als erwachsener Mann der Einladung seines untergetauchten Vaters nach Argentinien. Offensichtlich überwog für ihn die Sehnsucht nach dem verlorenen Elternteil vor der Abscheu, dem Todesengel vonAuschwitz zu begegnen.

Die Gruppenausstellung versucht, spielerisch den ambivalenten Fragen und Erfahrungen rund um das konfliktreiche Thema Familie auf den Grund zu gehen.

Caroline Minjolle, Fotografie

Die Fotografin und ehemalige Tänzerin hat sich mit der Darstellung des Menschen einen Namen gemacht. Wie ein roter Faden zieht sich der Umgang mit dem Körper und seiner Inszenierung durch ihr Schaffen.

Sie bespielt mit einer Auswahl Schwarz-Weiss-Fotografien aus ihrem Langzeitprojekt "Rendez-Vous" den Danioth Pavillon. Layoutartig direkt auf die Wand werden die eigens für diese Ausstellung auf Fototapete vergrösserten Fotos montiert. Caroline Minjolle hat seit 1995 erst den einen und dann den zweiten Sohn während eines regelmässigen "Rendez-Vous" mehrmals pro Jahr fotografiert. Das kleine private Glück schimmert hier in jeder Aufnahme durch. Heute sind die beiden Söhne längst erwachsen und treffen sich zum fotografischen "Rendez-Vous" noch ab und an.

Im Danioth-Vorraum gibt die Fotografin Einblick in ihr Leben als Zwilling. In einer Petersburger Hängung in unterschiedlich Rahmungen erleben wir die Kindheit, Jugend und das Erwachsenendasein der beiden Zwillingsschwestern.

Caroline Minjolle und ihre in Frankreich lebende Zwillingsschwester Sophie Minjolle führen seit 40 Jahren unterschiedliche Leben in Hunderten von Kilometern Distanz, sind sich aber doch eng verbunden. Alle paar Monate treffen sich die Fotografin und die Ärztin, und jedes Mal entstehen Aufnahmen der Schwestern, die sich zum Verwechseln ähnlich sind. "Wenn wir zusammen sind, rückt für eine Weile alles andere in den Hintergrund", so die Fotografin.

Karoline Schreiber, Malerei/Zeichnung

In der neuen Werkgruppe porträtiert die Künstlerin ihre drei Kinder: die beiden Töchter und ihren Sohn. Etwas lustlos schauen sie uns an, als ahnten sie bereits, mit welcher Sorgfalt sich die Malerin ihren Hautunreinheiten widmen, mit welcher Akribie sie Details wie Augenringe und andere Abweichungen vom Schönheitsideal auf der Leinwand inszenieren würde. Die Hautpartien erhalten etwas Transparentes und Fragiles, und in den ungeschönten Hautunreinheiten (Spuren der Adoleszenz) manifestiert sich die Verletzlichkeit der Dargestellten. Dieses Triptychon konfrontieren in der Ausstellung mit der Arbeit Maternité von 2014 ebenfalls ein Triptychon, das die Künstlerin von ihren Kindern als Säuglingen gemalt hat.

Susanne Dubs, FotoGrafik (Familienalben)

Das grossformatige Fries (Fototapete, 49 m2) entwickelt sich tapetenartig an den Wänden im ersten Stock im Haus für Kunst Uri. Es beruht auf einer Auswahl von privaten Familienbildern und frei zugänglichen Fotos aus diversen historischen Archiven. Dabei sind familiäre Zuordnungen unwichtig, es sollen vielmehr manche Phänomene als mehr oder weniger allgemein gültig erscheinen. So wie wir die Familienalben noch aus analogen Zeiten kennen: liebevoll eingeklebt, ab und an mit Text versehen und mit dem berühmten Spinnenpapier, das in jeder Doppelseite sorgfältig eingebunden war.

Die Kriterien zur Gegenüberstellung mit Fotografien aus öffentlich zugänglichen Sammlungen und Archiven ergab sich aus den festgehaltenen Lebensmomenten der Familie der Künstlerin. Besonders zu erwähnen sei hier die Fotothek in der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden als wertvolle Quelle.

Die wichtigsten Lebensorte ihrer Verwandtschaft waren Ost- und Westdeutschland, die Innerschweiz sowie Norditalien. Den Zeitraum grenzt sie mit dem Geburtsjahr des Ahnen auf dem ältesten Foto im Album 1846 bis zu den letzten Aufnahmen ihrer Eltern kurz vor ihrem Tod 1987 und 1993 ein.

Carlos Lügstenmann, Film

120 Filmtitel hat das Haus für Kunst zum Thema Familie zusammengetragen, ziemlich spontan und eher zufällig durch Nachfragen bei Freunden und Bekannten. Von dieser Familienfilm-Liste hat Carlos Lügstenmann die entsprechenden Trailer eingespielt und schliesslich 84 für sein Patchwork verwendet. Manchmal bloss ein einziges Bild, ein andermal mehrere Sequenzen.

Das Material, im Ganzen gut 200 Minuten mit x-tausenden von Bildern, oft kürzer als eine Sekunde, hat er begutachtet, durchforscht, seziert, nach eigenständigen Aussagen, selbsterklärenden Einstellungen, bestürzenden, befremdenden, berauschenden Bildern, geordnet nach Themen, nach Motiven, nach Farben, dramatische und romantische Sequenzen getrennt und sich seine Lieblingseinstellungen gemerkt.

Und angefangen zusammenzufügen, zu schneiden. Er beginnt mit der Geburt: Sie ist ja auch der Urknall der Familie sozusagen. Eine zusammenhängende Geschichte liess sich nicht realisieren. Zu viel Material, zu kurz die Sequenzen, zu verschieden die Filmgenres. So hat er sich vom Material treiben lassen, von diesen unzähligen Familien und Familienmitgliedern, die in den Trailern schemenhaft auftauchen. Er hat Übergänge gesucht, Gegensätze, Aufzählungen, Erläuterungen und sich dem Rhythmus ergeben, Humor und Gewalt verbunden, Küsse und Trennungen, Gesichter angeschaut, Dialoge umgedeutet und ist einem unsichtbaren Fluss gefolgt. Natürlich hat er es unglaublich genossen, mit Julia Roberts, Roberto de Niro, Lady Gaga, Anthony Hopkins und wie sie alle heissen zusammenzuarbeiten. Für dieses 18-minütige Potpourri hat das Haus für Kunst im Erdgeschoss einen verdunkelten Kinosaal mit Sofa und bequem gepolsterten Sesseln eingerichtet.

Rebecca Gisler, Literatur

Ihr Debütroman "Vom Onkel", den sie auf Französisch und auf Deutsch verfasst hat, erschien 2021 unter dem Titel "D’oncle" (éditions Verdier) in Frankreich und wurde für mehrere Literaturpreise nominiert. 2022 wurde "Vom Onkel" mit einem der Schweizer Literaturpreise ausgezeichnet.

Zwei Geschwister und ein kauziger Onkel – eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft in der Bretagne, am Ende der Welt. Früher, wenn der Onkel Indianerschmuck und Piratenschwerter gebastelt hatte, waren sie wie drei Kinder, hier im Garten, den ganzen Sommer lang. Jetzt pfeift der Onkel aus allen Löchern, obwohl er erst 52 ist. Nichte und Neffe haben kurzerhand beschlossen, in das weisse Haus mit den blauen Läden zu ziehen. Die Nichte beginnt die Eigenheiten ihres solitären Onkels zu erkunden, bis nach und nach sich eine etwas ungemütliche Familienlandschaft ausbreitet. In Zusammenarbeit mit dem lit.z entsteht für den Dachstock eine Hörinstallation. Die Autorin liest Sequenzen aus ihrem Buch (circa 15 Minuten). In angenehmer Wohnzimmeratmosphäre kann den skurrilen, ab und an bitterbösen Beschreibungen gelauscht werden.

Max Grüter, Objekte

Mitte der 1990er-Jahre wendet sich der Künstler von Leinwand, Farbe und Modelliermasse ab, um sich einer für ihn charakteristisch gewordenen Computerkunst zu widmen. In seiner Arbeit mit digitalen Gestaltungsmitteln fokussiert der Künstler alle traditionellen Medien: Malerei, Zeichnung, Plastik, Installation. Seine Werke sind nicht etwa Manipulationen mit dem Photoshop, sondern reine Konstruktionen: ein minutiöses polygonales Modellieren von Kanten und Flächen. Max Grüter zwingt dem Computer Sinnlichkeit und grösstmögliche Realität ab. Für die Ausstellung realisiert der Künstler zwei neue Objekte, die einerseits ein Familienleben der Zukunft in ihrer Isoliertheit im Weltall thematisieren, andereseits die Herazsforderung des Beziehungslebens.

Kuratorin: BarbaraZürcher

hfk 

Kontakt:

https://www.hausfuerkunsturi.ch/ausstellungen/aktuell/ 

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