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18. März 2012

Erika Babatz & Sabrina Friio: «Portraits»

Ausstellung bei WIDMER + THEODORIDIS, Zürich, bis am 28. April 2012

Bild: @ Erika Babatz

Die beiden Künstlerinnen bespielen gemeinsam den Galerieraum und den Ehegraben und präsentieren neue Fotogramme, Fotografien und ein Video.  

So unterschiedlich die Arbeitsweise und das Ergebnis von Babatz und Friio auch sein mögen, der Drang, die Identität und Individualität des Objektes zu erfassen und den Blick auf das Innere und damit auf das Grundlegende zu werfen, ist beiden gemeinsam.

Der aus dem lateinischen Wort «protrahere» (herausziehen) stammende Begriff «Portrait» erweist sich bei der Spurensuche als besonders hilfreich.

Babatz führt in ästhetisch schönen Bildern das wieder zusammen, was vom Glamour und schönen Schein der reichen Börsenjahre als Abfall auf der Strecke geblieben ist. Sie durchleuchtet buchstäblich die Dinge und zieht das Unsichtbare an die fotografische Oberfläche.

Für Friio posieren gewöhnliche, ausgestopfte Tiere aus unseren urbanen Siedlungsräumen und zeigen, wie sich die Schönheit der Schöpfung auch in derer Form wiederfindet.  

Die Nähe zur Kunstform des Stilllebens ist nicht ungewollt. Im Barock wurden Symbole der Vergänglichkeit und der Sterblichkeit mit Insignien von Macht und Reichtum arrangiert und dargestellt. Erstaunlich, aber nicht verwunderlich, dass diese Kunstform in den lebensbedrohlichen Zeiten des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt hatte. Seit dem Barock hat das Stillleben in der bildenden Kunst zwar seine Bedeutung eingebüsst, doch noch immer wird es auch von zeitgenössischen Künstlern verwendet.

Der Ausdruck «Memento mori» (von «Memento moriendum esse»: Bedenke, dass du sterben musst) lässt sich so als Idee bis zu Andy Warhol, Damien Hirst und John Currin weiter verfolgen. Abgehobener Reichtum und Ignoranz abseits einer demütigeren Bodenhaftung.

Erika Babatz untersucht in ihrer Arbeit Rückstände und Abfälle unserer Zivilisation. Schon in ihrer Serie «Vanitas der Entsorgung» zeigte sie liebevoll arrangierte Stillleben von Abfällen wie Eierschalen, Computerbauteilen oder Verpackungsrückständen. In zartes, weisses Licht getaucht, wirken die Objekte rein und der Vergänglichkeit für einen kurzen Moment entrissen. In der Serie «Suenos Rotos» sammelte und präsentierte Babatz kaputte, weggeworfene Fussbälle als Symbol für ramponierte Träume. Für «Bodegones berlineses» entschloss sie sich, die Fundgegenstände zu durchleuchten: komponierte Blumenarrangements und andere Naturdarstellungen erscheinen wie aus einer anderen Dimension.  

Für Sabrina Friio nicht das erste Mal: gesichtslose Portraits. Wie auch in ihrer Serie «Identité» zeigt sie in ihrer neuen Arbeit ebenfalls Persönlichkeiten ohne Gesicht: eine Katze, ein Huhn, eine Ratte oder gar einen Maulwurf. Dabei konzentriert sie sich nicht auf deren physische Vergänglichkeit sondern auf das, was übrig bleibt: körperhafte Schönheit.

Ganz im Gegensatz dazu ihr neuer Video «Portraits»: In schneller Abfolge tauchen, ja blitzen, Portraits von Menschen auf. Friio bringt das Auge bewusst an seine Grenze und evoziert überlagernde, flimmernde Bilder. In der digitalen Fotografie nennt sich dieser Effekt «Bildrauschen».

wtz / ch-a

Kontakt:

WIDMER + THEODORIDIS – Zurich
Weggengasse 3
CH-8001 Zürich
T: +41 43 497 39 70
mail@0010.ch

http://www.0010.ch

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 18. März 2012
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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