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"Dunja Herzog"

"Dunja Herzog"

08.07.2024 Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn, Parterre West, bis am 6. Oktober 2024


Bild: Ausstellungsansicht, "Dunja Herzog", Kunstmuseum Solothurn, 2024 - Foto: Hanspeter Bärtschi

Die erste umfassende institutionelle Einzelausstellung von Dunja Herzog (*1976 in Basel) im Kunstmuseum Solothurn vereint neue, neu inszenierte und bereits bestehende Arbeiten vergangener Jahre. Selten von abgeschlossenen Werken ausgehend, beschäftigt sich die Künstlerin oft über längere Zeit hinweg mit der Weiterentwicklung einzelner Projekte.

Seit ihrer Kindheit mit dem afrikanischen Kontinent verbunden (ihre Eltern arbeiteten für zwei Jahre in einem Spital in Kamerun), lebt sie seit 2003 jährlich mehrere Monate in Nigeria, Kamerun oder Südafrika. Infolgedessen verweben sich in der Ausstellung Themenkreise, Materialien und Techniken aus unterschiedlichen kulturellen, zeitlichen und biografischen Kontexten. Verbindendes Element und roter Faden ist der Klang, der die einzelnen Säle unterschiedlich prägt – vom tiefen Wummern über verstummte Schellen, von jazzigen Melodien bis hin zum raumfüllenden Pulsieren.

Als Träger von vielfältigen Geschichten kommen Materialien und handwerklichen Techniken eine zentrale Bedeutung zu. Bisweilen fungieren sie auch als Auslöser für Assoziationsketten und neue Prozesse. So entwickelt sich aus der Erfahrung mit dem Bronzegiessen in Benin, wo Wachs zum Einsatz kommt, Herzogs Interesse für Bienen. Das wiederum führt zur Zusammenarbeit mit Imker Thembalezwe Mntambo und Cosmas Ndlovu. Um artgerechte Bienenhabitats zu schaffen, dient ihnen Tonerde aus Südafrika als Material. Transferiert vom Aussen- in den Ausstellungsraum, drängen sich anhand der Objekte, deren Formgebung zwischen Handwerkskunst und biomorphem Experiment schwankt, Fragen nach der Verteilung von Ressourcen und unserem Umgang damit auf – wie auch nach den Wirkungskreisen von Kunst.



Seit längerem spielen Algen, die als wichtiger Sauerstofflieferant zu den vielversprechenden Rohstoffen der Zukunft zählen, in Herzogs künstlerischer Praxis eine wichtige Rolle. Zusammengefügt zu monumentalen Vorhängen, den Sea Sheets (Logic of connectivity), lassen Nori-Blätter das Sonnenlicht durchschimmern und vermitteln ein Unterwasserszenario.

Metaphorisch nimmt die Arbeit Bezug auf den Begriff der «Unterwasserökonomie», der von der feministischen Soziologin und Kapitalismusgegnerin Maria Mies geprägt worden ist. Sie verweist darauf, dass Lohnarbeit nur die «Spitze des Eisbergs» der Ausbeutung ist, die auf einem gewaltigen Fundament der unbezahlten Care- und Reproduktionsarbeit, überwiegend von Frauen und People of Color geleistet, beruht.

Der Zusammenhang von Kolonialismus, Handelsströmen und Geldflüssen ist in Dunja Herzogs Arbeit omnipräsent: Die monumentale Installation Blue Gold – Soft Spheres ist eine Raumskulptur, die aus zwei textilen, ineinander verzahnten Zylindern besteht. In Indigo-Färbereien entstanden – einerseits mit Indigo gefärbter Baumwolle aus Nigeria und andererseits mit Färberwaid auf Leinen aus Deutschland – thematisiert die Installation die Handelswege des blauen Farbstoffes. Vasco da Gama hatte nach seiner Ankunft in Indien Indigo nach Europa exportiert und brachte dadurch nach und nach die Produktion mit Färberwaid in Europa zum Stillstand. Wiederum hatte der Export von chemischem blauem Farbstoff durch die Union Trading Company (UTC) Auswirkungen auf die alte Tradition der Indigofärberei in Nigeria.

Anlässlich der ersten Lagos Biennale 2017 erwarb Herzog originale Möbel und weitere Objekte der sich damals in Auflösung befindenden Firma UTC Nigeria ltd. Hier schafft die Künstlerin eine direkte Verbindung zu ihrer persönlichen Geschichte: Die 1921 gegründete UTC, davor bekannt als Missions-Handlungs-Gesellschaft (unter Leitung der Mission Basel), vertrieb unter anderem Uhren der Baselbieter Firma Oris in Westafrika. Oris war ehemals im Besitz der Familie Herzog. Mit der Inszenierung eines UTC-Foyers innerhalb der Ausstellung lotet Herzog vergangene wirtschaftliche Begebenheiten aus und kontextualisiert sie neu.
Fragen nach der eigenen Verantwortung sind in die Ausstellung eingeschrieben. Jede Installation kann als ein Kapitel verwobener Geschichte(n) gelesen werden, in welche die Künstlerin persönlich involviert ist.

Gastkuratorin: Marianne Burki, Kunsthistorikerin

kms

Kontakt:

https://www.kunstmuseum-so.ch/de/programm/16-ausstellungen

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Ausstellungsansicht, "Dunja Herzog", Kunstmuseum Solothurn, 2024 - Foto: Hanspeter Bärtschi

Bild: Ausstellungsansicht, "Dunja Herzog", Kunstmuseum Solothurn, 2024 - Foto: Hanspeter Bärtschi

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