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"BARBARA PROBST. SUBJECTIVE EVIDENCE"

"BARBARA PROBST. SUBJECTIVE EVIDENCE"

19.02.2024 Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, vom 24. Februar bis am 16. Juni 2024 - Vernissage: Freitag, 23. Februar 2024, ab 18 Uhr


Bild: Barbara Probst, Exposure #180: Munich, Nederlingerstrasse 68, 09.11.22, 3:40 p.m., 2022, Ultrachrom-Durck auf Papier, je 168 × 112 cm, Courtesy Kuckei + Kuckei, Berlin und Monica De Cardenas, Milano / Zuoz

"In meiner Arbeit geht es eher darum, wie wir sehen und nicht so sehr darum, was wir sehen", sagt Barbara Probst (*1964). Und tatsächlich fragen ihre Werke nach unserem Standpunkt und Blickwinkel: Was sehen wir? Was sehen wir nicht? Was ist die Voraussetzung für das, was wir sehen? Und wie verändert das, was wir sehen, unsere Deutung des Geschehens?

Auch wenn Barbara Probst sich mehr dafür interessiert, wie etwas dargestellt wird, als was dargestellt wird, nehmen wir sofort die Spur auf, die sie auslegt, und lesen die mehrteiligen Werke als Geschichte. Die sechsteilige Arbeit Exposure#146, Unterschwillach 48°13'12.3"N11°54'21.6"E, 08.07.19, 10:53 a.m. beispielsweise zeigt eine Frau im Nirgendwo am Strassenrand zwischen Maisfeldern. Ihre Kleidung wirkt städtisch, neben ihr steht ein kleiner Koffer. Ein Citroën DX fährt in eine Unterführung. Wurde die Frau hier abgesetzt? Worauf kann sie an dieser ländlichen Strassenverzweigung warten? Gab es einen Streit? Die Atmosphäre erinnert an alte Kriminalfilme, einerseits wegen Kleidung und Wagenmodell, andererseits aufgrund der erzeugten Spannung.

Indem wir die Bilder zu einem Geschehen zusammenfügen, meinen wir mehr zu wissen, letztlich bleiben die Inhalte aber rätselhaft.

Barbara Probst arbeitet immer mit präzisen Inszenierungen. Dabei werden alle Fotos eines Werkes gleichzeitig von verschiedenen Kameras aufgenommen. So erzeugt die Künstlerin eine multiperspektivische Erzählung. Welche Bilder farbig und welche schwarzweiss werden, entscheidet die Künstlerin erst, wenn sie sie zusammenfügt.

In vielen Aufnahmen sind Stative und Kameras zu sehen oder Kabel für die Auslösung. Barbara Probst legt damit offen, wie sie ihre Werke schafft. Besonders auffällig ist das in Exposure #114: N.Y.C., 368 Broadway, 02.05.15, 12:13 p.m., wo Kameras und Stative Hauptelemente des reduzierten Settings sind. Aber auch neben der Frau am Strassenrand entdecken wir eine Kamera, die scheinbar verwaist, der Szene etwas Absurdes verleiht und sie gleichzeitig als Konstrukt entlarvt.

Seit 2000 betitelt Barbara Probst ihre Werke mit Exposure und einer fortlaufenden Nummerierung. "Exposure" ist einerseits ein fototechnischer Begriff und bedeutet Belichtung. Andererseits bedeutet das englische Wort "Enthüllung", "Blossstellung", "Entlarvung", "Aussetzen". Dies lässt sich auf zwei Topoi der Fotografie beziehen: Die Fotografie als Beweis und die Kamera als voyeuristisches Auge. Gleichzeitig entlarvt Barbara Probst ihr technisches Vorgehen. Der Ausstellungstitel "Subjective Evidence" (subjektiver Beweis) macht aber auch klar, dass die Beweisführung immer eine Frage des Blicks ist.

Die Ausstellung ist in die Kapitel "Performance", "Landschaft", "Stillleben", "Strassen", "Close-up", "Akt", "Kulissen", "Dächer" und "Mode" gegliedert und präsentiert Barbara Probsts Werkgruppen aus über 20 Jahren.

Im Frühsommer 2023 hat Barbara Probst in den leeren Räumen des Kunstmuseums Luzern eine neue Arbeit realisiert: Exposure #186, Kunstmuseum Luzern, Lucerne, 06.23.23, 12:57 p.m. Die immer gleichen Raumfluchten und neutralen Räume des Kunstmuseums Luzern passen ideal zu Probsts Verwirrspiel mit verschiedenen Blickwinkeln.

Kuratiert von Fanni Fetzer

kml

Kontakt:

https://www.kunstmuseumluzern.ch/

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