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ALDO SOLARI: "IM FELD DER SCHWIMMER"

ALDO SOLARI: "IM FELD DER SCHWIMMER"

17.09.2012 Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn, bis am 11. November 2012


Bild: Aldo Solari, Ohne Titel (Taucher), 2005

Der in Basel lebende Künstler Aldo Solari (*1947) wendet sich mit grosser Konsequenz dem Thema der menschlichen Figur zu. Nach seinem expressiven Frühwerk, das noch im Umkreis der Figuration der 1980er-Jahre rezipiert wird, tritt bald die malerische und inhaltliche Recherche in den Vordergrund. Der Mensch wird nicht mehr als Individuum, sondern als Form, beziehungsweise Metapher behandelt.

Wie den Vertretern der Pop-Art gelingt es Solari, malerische Sinnlichkeit und plakative Wirkung mit Hintersinn zu verbinden. Mit seinen Motiven von Uniformierten, Puppen und Wettkämpfern interessiert er sich für inhaltliche Belange wie den täglichen Konkurrenzkampf oder das Machtspiel der Gängelei. Dabei hält seine Malerei jedoch eine perfekte Balance zwischen cooler Sinnlichkeit und kritischer Distanz.

Solaris Schaffen wurde verschiedentlich in Museen präsentiert: Einzelausstellungen waren im Aargauer Kunsthaus Aarau (1986) und in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich (1998) zu sehen. Nun widmet ihm das Kunstmuseum seiner Heimatstadt Solothurn eine Überblicksausstellung mit Werken der Jahre 1989 bis 2012.

Die Ausstellung ist weitgehend chronologisch aufgebaut. Mit dem punktuellen Einbezug von Werken anderer Schaffensphasen wird diese Chronologie jedoch in vielen Sälen aufgebrochen, um daran die inhaltlichen und formalen Verbindungen sichtbar zu machen.

Die Präsentation setzt mit Gemälden der späten 1980er-Jahre ein, in denen Menschengruppen von oben gezeigt werden. Die distanzierte Erfassung resultiert nicht nur aus der Vogelperspektive, sondern auch aus der Uniformierung der Menschen, die sich in ihrem Gleichschritt und ihren Kleidern anpassen und im Muster eines ausschnitthaften "all over" auflösen. Bei aller formalen Strenge bleiben für Solari malerische Fragen wichtig.

In den 1990er-Jahren beschäftigt sich Solari hauptsächlich mit dem Motiv der Gliederpuppe und führt so das Thema der Uniformierung weiter. Die aus sieben Gliedern bestehende Puppe verwendet er für eine Vielzahl von Variationen und entwickelt daraus auch Karton-Objekte, deren Elemente er zu Topografien stapelt oder zu einer Figur zusammensteckt.

Neben bunt leuchtenden Bildern von fast "postmoderner Leichtigkeit" (Paul Tanner) entstehen verschiedentlich auch schwarz-weisse Werke, die Form und Zeichnung betonen. Die "Spiele" mit demselben Formen-Vokabular scheinen unerschöpflich; und in mancher Hinsicht gleicht das Schaffen der musikalischen Auffassung von "Thema und Variation".

Ab 2003 tritt das Kompositionsschema der Schwimmer auf, die die Themenkreise von Individuum und Masse, von Wettbewerb und Ziel miteinander verbinden. Mit den Crawlern entwickelt Solari eine dekorative Bildsprache, mit der Wellen, Spritzer und Reflektionen zu einer bunten musterartigen Fläche geschlossen werden.

Aus diesen organischen Formen leiten sich in den folgenden Jahren nicht nur die Abtaucher, sondern auch die Wende-Bilder und die Karten ab. Aus der Ferne gesehen, erinnern diese an Meteobilder.

Land und Wasser dienen nun nicht mehr zur alltäglichen Verortung von Passanten und Schwimmern, als Kontinente und Meere sind sie ein Teil der ganzen Welt. Damit nimmt Solari grösstmögliche Distanz; entfernt sich von der Welt - und bleibt ihr dennoch verbunden.

Der motivische Pendelverkehr zwischen Nah und Fern gehorcht einem metaphorischen Denken in Entsprechungen. Dem inhaltlichen Prinzip des Vergleichens antwortet der malerische Prozess des Angleichens; das Ausgleichen wird zur steten, fast meditativ anmutenden Übung.

Mit der gesuchten Balance ist die Bedeutung des Musters verbunden, mit dem Aldo Solari den schmalen Grat zwischen Figur und Form, zwischen inhaltlicher Verdichtung und reiner Malerei wählt und hält.

Christoph Vögele

Zur Ausstellung erscheint im Verlag für moderne Kunst, Nürnberg, eine reich bebilderte Monografie mit Texten von Sibylle Omlin, Cornelia Dietschi Schmid und Christoph Vögele (160 Seiten, Fr. 48.-).

kms

Kontakt:

Kunstmuseum Solothurn
Werkhofstrasse 30
CH-4500 Solothurn
T: +41 32 624 40 00
kunstmuseum@solothurn.ch
http://www.kunstmuseum-so.ch

 

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