BÜRO DLB - IDEE-REALISATION-KOMMUNIKATION
Daniel Leutenegger, Rathausgasse 18, CH-3011 Bern, www.ch-cultura.ch

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Internationale und interdisziplinäre Tagung "Über den Wert der Fotografie"

Internationale und interdisziplinäre Tagung "Über den Wert der Fotografie"

05.02.2012 Wissenschaftliche Kriterien für die Bewahrung von Fotosammlungen. - Eine internationale und interdisziplinäre Tagung. Am 23. und 24. März 2012, Grossratsgebäude, Obere Vorstadt 10, 5001 Aarau


Bild oben: Ringier Bildarchiv 2011 © RBA/StAAG

Die Tagung richtet sich an alle Forschungsrichtungen, die sich mit Fotografie und der Archivierung, Erschliessung und Nutzung von Fotobeständen beschäftigen, und an Archiv-, Bibliotheks- und Museumsfachleute.

Durchführung:

Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel

Staatsarchiv des Kantons Aargau

Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (SGV)

Über den Wert der Fotografie

Wissenschaftliche Kriterien für die Bewahrung von Fotosammlungen

Die analoge Fotografie hat mit der digitalen Wende ausgedient, der Bestand an analogen Aufnah­men wird zukünftig nur noch geringfügig wachsen. Damit ändert sich der Blick auf die analoge Fotografie: Einerseits entledigen sich Fotografen und insbesondere Firmen der platzintensiven Fotoarchive - was digital nicht vorhanden ist, wird nicht mehr gebraucht. Andererseits erfährt die analoge Fotografie eine grosse Aufmerksamkeit von Seiten der Sammler und der an alten Aufnah­men interessierten Laien, aber auch der Forschung.

Museen, Bibliotheken und Archive, die den Grossteil der erhaltenen analogen Fotografien aufbe­wahren, stehen daher seit einiger Zeit vor einer grossen Herausforderung: Ihre Sammlungen wachsen stetig und teilweise exponentiell an. Und zugleich steigt die Nachfrage nach Digitalisie­rungen, um die Bilder besser zugänglich zu machen. Es ist die Aufgabe dieser Institutionen, die Fotografien in ihren unterschiedlichen Verwendungsweisen und Entstehungskontexten zu erhalten und der Wissenschaft und dem interessierten Publikum zugänglich zu machen.

Mit der massenhaf­ten Produktion von Fotografien im 20. Jahrhundert ist die Bewahrung und Erschliessung der Foto­grafie in ihrer gesamten Bandbreite zu einer kostspieligen Aufgabe geworden, der in Zukunft nur über eine Bewertung der Archivwürdigkeit beizukommen ist.

Es stellt sich daher die Frage, welche Fotografien archivwürdig und somit erhaltenswert sind und welche nicht. Sie ist nicht einfach zu beantworten, da die Fotografie nicht nur als ästhetisches Produkt erfasst werden darf, sondern ebenso als Medium der Kommunikation und des Wissens­transfers zu gelten hat. Die Bewertung von Fotografien ist ein komplexes Unternehmen und auch abhängig von den Zielsetzungen und den Möglichkeiten der aufbewahrenden Institutionen, die den Schwerpunkt oft entweder auf den dokumentarischen oder auf den künstlerischästhetischen Aspekt legen. Zudem wirken sich konservatorische Zwänge massgeblich auf die Kosten aus, wes­halb die technischen Aspekte der Bewertungsfrage nicht zu vernachlässigen sind.

Ziele der Veranstaltung

In den Bildagenturen ist die Triage und Kassation von Bildern Alltag; in Museen, Bibliotheken und Archiven werden solche Massnahmen intern diskutiert und teilweise umgesetzt, doch öffentlich ist die Bewertung von Fotografien ein "heisses Eisen". Die Forschenden würden am liebsten nichts und die Finanzchefs am liebsten fast alles wegwerfen.

Ziel der Veranstaltung ist es, das Tabu der Bewertung von Fotografien aufzubrechen und die Chancen und Risiken, Möglichkeiten und Grenzen der Bildarchive auszuloten und zu diskutieren. Dabei stehen mögliche Kriterien für die Bewertung von grossen Fotoarchiven im Vordergrund der Diskussion. Die Veranstaltung dient damit der Schaffung von Grundlagen für die Fotoarchivierung. Dafür wird das Gespräch mit Forschenden aus verschiedenen Fächern und Fachleuten aus Archiven, Museen und Bibliotheken gesucht. Für das Gelingen der Veranstaltung ist das Zusammenbringen von Wissenschaft und Praxis entscheidend.

Tagungssprachen sind Deutsch und Französisch. Eine Simultanübersetzung ist vorhanden.

Referierende

Marie Beutter
führt seit 2004 ihr eigenes Atelier für Konservierung und Restauration des fotografischen Erbes und unterrichtet Konservierung an verschiedenen Instituten. Sie hat an der Sorbonne und an der École du Louvre in Paris und an der Universität von Tours studiert und Projekte für die Maison Jean Cocteau, das Schloss von Versailles, das französische Museum der Fotografie, das Musée du Quai Branly, das Musée d'Orsay, das Filmarchiv von Paris, das Musée des Arts décoratifs von Paris und die Fondation Cartier realisiert.

Matthias Christen
studierte in Tübingen und Konstanz und habilitierte sich an der Ruhr-Universität Bochum. Er hatte die Vertretung des Lehrstuhls für Theorie und Geschichte bilddokumentarischer Formen an der Ruhr-Universität Bochum inne und ist seit 2011 Professor für Medienwissenschaft an der Universität Bayreuth.

Gilbert Coutaz
war von 1981 bis 1995 Archivar der Stadt Lausanne und ist seit 1995 Direktor des Waadtländer Staatsarchivs. Er war von 1997 bis 2001 Präsident des Vereins Schweizer Archivarinnen und Archivaren (VSA), von 1992 bis 2000 Mitglied des Komitees der Sektion des Verbandes der professionellen Archivare sowie Gründungspräsident von RéseauPatrimoineS, des Verbandes für das Natur- und Kulturgut des Kantons Waadt. Zudem ist er für die Module des Master of Advanced Studies in Archiva, Library and Information Science der Universitäten Bern und Lausanne zuständig.

Delphine Desveaux
ist promovierte Kunsthistorikerin für moderne und zeitgenössische Kunst (Paris IV - Sorbonne). Nach verschiedenen Erfahrungen in Museen sowie Presseagenturen oder Bilddiensten für Zeitschriften widmet sie sich nun der Sammlung Roger-Viollet, welche die Gründer 1985 der Stadt Paris vermacht haben. Im Rahmen der Sammlung hat sie Selektionsverfahren und Digitalisierungskampagnen der Werke in die Wege geleitet, die Sammlung inventarisiert, neu konditioniert und dokumentiert. Sie ist seit der Gründung bei der Parisienne de Photographie die Leiterin der Sammlungen Roger-Viollet und der Kulturprojekte.

Hans Ulrich Glarner
studierte Deutsch, Geschichte und Kulturmanagement in Zürich und Salzburg. Er erhielt den Master of Advanced Studies MAS an der Universität Linz und absolvierte die Executive Education Harvard Kennedy School 2010. Er arbeitete als Kulturredaktor des Aargauer Tagblatts, als Geschäftsführer der Aktion Begegnung 91 zur 700-Jahr-Feier und als Leiter des Stapferhauses Lenzburg. Seit 2002 ist er Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Aargau. Zudem wirkt er als Dozent für Kulturmanagement an der Universität Basel und am Stapferhaus Lenzburg und als Dozent für Kulturvermittlung und Kulturpolitik an der Pädagogischen Hochschule FHNW.

Rudolf Gschwind
studierte Chemie an der Universität Basel. Seit 1980 ist er Leiter der Abteilung für wissenschaftliche Fotografie am Institut für Physikalische Chemie der Uni Basel. Anfang 2001 erfolgte der Transfer der Abteilung in die Philosophisch-Historische Fakultät, wo das Imaging and Media Lab entstand. 1985 verbrachte er einen einjährigen Forschungsaufenthalt bei der Firma Ilford in der Gruppe Electronic Imaging. Seine Hauptforschungsgebiete sind Farbfotografie, Erhalt des audiovisuellen Kulturgutes und digitale Archivierung.

Jens Jäger
studierte Geschichte, Literaturwissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Hamburg. Er promovierte zur Fotografiegeschichte Deutschlands und Englands im 19. Jahrhundert und habilitierte über die Entstehung des internationalen Verbrechers. Er nahm Lehraufträge an den Universitäten Hamburg, Bremen, Köln wahr, forschte in England, Frankreich und Österreich und arbeitete am SFB Medien und kulturelle Kommunikation mit. Zurzeit ist er als Privatdozent und Heisenberg-Stipendiat an der Universität zu Köln. 2010/2011 hatte er Vertretungsprofessuren an der Universität zu Köln und Universität Heidelberg inne.

Pius Knüsel
studierte Germanistik, Philosophie und Literaturkritik an der Universität Zürich. Er war als Kulturredaktor beim Schweizer Fernsehen, Programmleiter des Jazz Clubs MOODS und Mitglied des Direktoriums des Europe Jazz Networks und Programmleiter des ersten Jazznojazz-Festivals in Zürich. Von 1998 bis 2002 war er als Leiter des Kultursponsorings der Credit Suisse tätig und ist seit 2002 Direktor der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. Sporadisch nimmt er eine Lehrtätigkeit im Fach Kulturmanagement u. a. an der Zürcher Hochschule Winterthur, den Universitäten von Basel, Neuchâtel, Fribourg, Lausanne und im Ausland wahr. Zudem ist er Mitbegründer des Forums Kultur und Ökonomie.
 
Walter Leimgruber
leitet das Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel. Davor war er Redaktor beim Schweizer Fernsehen und Projektleiter verschiedener Ausstellungen. Er ist Forschungsrat des Nationalfonds, wo er die Abteilung Geistes- und Sozialwissenschaften präsidiert, Vorstandsmitglied der Schweiz. Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften und Mitglied der Steuerungsgruppe von Bund und Kantonen zur Umsetzung der UNESCO-Konvention für das immaterielle Kulturerbe. Seine Forschungsgebiete umfassen Kulturtheorie und -politik, Migration und Transkulturalität, visuelle und materielle Kultur.

Olivier Lugon
ist Kunsthistoriker und Professor an der Universität Lausanne. Sein Forschungsgebiet ist die Geschichte der Fotografie, vor allem die Fotografie in Deutschland und den USA sowie die Problematik der Fotoarchive. Derzeit leitet er das Forschungsprojekt des SNF "L'exposition moderne de la photographie, 1920-1970" und bereitet eine Publikation zu diesem Thema vor.

Nora Mathys
studierte Geschichte, Politikwissenschaften und Staatsrecht in Bern und Prag und promovierte nach einem Forschungsaufenthalt am Laboratoire d'histoire visuelle contemporaine der École des hautes études en sciences sociales in Paris am Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel zur privaten Fotografie. Sie arbeitete in verschiedenen Bildarchiven und für das Büro für Fotografiegeschichte in Bern. Zurzeit leitet sie im Staatsarchiv Aargau das Projekt Ringier Bildarchiv.

Andreas Ritter
studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich und promovierte am Lehrstuhl für Immaterialgüter-, Medien-, Arbeitsrecht und Rechtssoziologie. Nach dem Erwerb des Anwaltspatentes im Jahre 1996 und mehrjähriger Tätigkeit in einer grösseren wirtschaftsrechtlich orientierten Kanzlei in Zürich gründete er im Jahre 2001 seine eigene Kanzlei. Neben seiner Tätigkeit als Anwalt mit einer Spezialisierung in den Bereichen Kunstmarkt und Unterhaltungsindustrie ist er Präsident des Kunstvereins Walcheturm und Stiftungsrat der Stiftung für konkrete und konstruktive Kunst in Zürich. Er verfasste verschiedene Publikationen zum Kunstmarkt.

Carole Sandrin
ist Fotohistorikerin und Co-Kuratorin. Sie ergänzte ihre Ausbildung 2010 mit einem Master Fachfrau für präventive Konservierung von Kulturgut an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne. Letzten Juni wurde sie zur Vizepräsidentin der Société Française de Photographie (SFP) ernannt, für deren Sammlungen sie von 2005 bis 2011 verantwortlich war. Seit April 2011 ist sie Konservatorin des Musée de l'Elysée in Lausanne und für den Fotobestand Charlie Chaplin verantwortlich sowie mit der präventiven Konservierung beauftragt.

Markus Schürpf
absolvierte die Fachklasse Freie Kunst in Luzern und studierte Kunstgeschichte, Ethnologie und Architekturgeschichte in Bern. Seit 1999 führt er in Bern das Büro für Fotografiegeschichte. Neben den Projekten, die das Büro realisiert, ist er als Autor, Ausstellungsmacher und Berater tätig.

Madeleine Schuppli
ist Direktorin des Aargauer Kunsthauses in Aarau. Sie studierte Kunstgeschichte an den Universitäten Genf, Hamburg und Zürich und absolvierte den Master of Advanced Studies in Kulturmanagement an der Universität Basel. Von 1996 bis 2000 war sie Kuratorin in der Kunsthalle Basel und von 2000 bis 2007 Direktorin des Kunstmuseums Thun.

Elodie Texier-Boulte
ist Fotorestauratorin. Sie erhielt eine Ausbildung als Fotohistorikerin bei Michel Frizot (École du Louvre) und bei Michel Poivert (Universität Paris 1, Panthéon Sorbonne). Anschliessend erwarb sie 2002 den Master in Konservierung und Restauration von Kulturerbe an der Universität Paris 1, Panthéon Sorbonne. Ein einjähriges Praktikum führte sie in die USA und nach Schottland. Seit 2003 arbeitet sie freiberuflich und hat seither Restaurierungsprojekte für das Musée d'Orsay, das Musée du Quai Branly, die Cinémathèque française, die Société Française de Photographie, das Centre Pompidou und das Musée Lalique durchgeführt.

Andrea Voellmin
absolvierte die Höhere Pädagogische Lehranstalt Zofingen und war danach als Primarlehrerin tätig, bevor sie Allgemeine Geschichte mit Schwerpunkt Wirtschaftsgeschichte, Volkswirtschaft und Osteuropäische Geschichte an der Universität Zürich studierte. 1995/96 war sie Leiterin des Firmenarchivs der Schweizerischen Kreditanstalt und anschliessend stellvertretende Leiterin des Firmenarchivs der Credit Suisse Group. Seit 1999 ist sie Staatsarchivarin des Kantons Aargau.

Bernd Weise
studierte Visuelle Kommunikation in Essen sowie Publizistik, Geschichte und Politologie in Berlin. Ab 1981 war er freier wissenschaftlicher Mitarbeiter der Photographischen Sammlung/Berlinische Galerie und ab 1989 Geschäftsführer des Bundesverbandes der Pressebild-Agenturen und Bildarchive in Berlin. Er ist Lehrbeauftragter für Fotojournalismus an der FU Berlin und Autor zu Pressefotografie und -geschichte. Seit 2001 ist er Sachverständiger für Presse- und Illustrationsfotografie, Fotobewertung und Fotovergütung für Gerichte und ehrenamtliches Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Preussischer Kulturbesitz. Er arbeitet seit 2010 als freiberuflicher Publizist und Gutachter in Berlin.

Jean-Marc Yersin
war Werbe-, Handels- Reportage- und Medizinalfotograf sowie Fotograf an den Musées d'art et d'histoire in Genf. Heute ist er Konservator und teilt die Leitung des Schweizer Kameramuseums in Vevey mit der Archäologin Pascale Bonnard Yersin. Er ist Mitglied des Netzwerkes für die Erhaltung audiovisueller Kulturgüter Memoriav.

mgt

Kontakt:

http://wertderfotografie.blogspot.com/

ringier-bildarchiv

Bild: Bildarchivar Ringier Bilderdienst, um 1970 (Staatsarchiv Aargau / Ringier Bildarchiv)

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